Mehrere Analysehäuser erwarten bei US-Aktien ein starkes drittes Quartal. Es gibt aber auch Stimmen, die zur Vorsicht mahnen. Analysten sollten sich angesichts der Schuldenkrise in Europa nicht zu positiv zeigen.
New york/Bloomberg. Analysten stellen den Aktien aus dem breit aufgestellten Standard- &-Poor's-500-Index die stärkste Jahresendrallye seit 13 Jahren in Aussicht. Der Index hat mittlerweile ein „Bärenmarktniveau“ erreicht, das von Analysehäusern wie Oppenheimer & Co., UBS und Barclays als deutliche Unterbewertung angesehen wird – obwohl die Prognosen in den letzten Wochen schon so stark gekappt wurden wie zuletzt während der Finanzkrise im Jahr 2008.
„Die Anleger sind viel zu pessimistisch und lassen sich von schwankenden Makrodaten verunsichern“, meint etwa Biran Belski, Chefstratege bei Oppenheimer & Co. Er rechnet mit einem Jahresendstand des Index von 1325 Punkten, was gut 15 Prozent über dem derzeitigen Niveau läge. Der S-&-P-500 hat seit April 18 Prozent verloren und notiert aktuell bei etwa 1170 Zählern.
Auch Jonathan Golub von der UBS glaubt an eine nahe Wende an den Aktienmärkten und höhere Indexstände zum Ende des Jahres. „Die Worst-Case-Szenarien werden sich nicht bewahrheiten“, meint der Experte. Sobald die Anleger ihren Glauben an eine Lösung der Schuldenkrise zurückerlangten, würden auch die Märkte wieder zu einer Erholung ansetzen. Die Prozesse in der Eurozone seien zwar langwierig, doch das heiße nicht, dass es keine Lösung geben werde. Er rechnet zum Jahresende mit einem Indexstand von 1350 Punkten.
Goldman kürzt Prognose zum dritten Mal
Es gibt aber auch Stimmen, die zur Vorsicht mahnen. Die Analysten sollten sich angesichts der Schuldenkrise in Europa nicht zu positiv zeigen, sagte Eric Teal, Stratege bei der US-Bank First Citizens. Eine Rallye zu erwarten sei derzeit „zu optimistisch“.
Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Prognose für den S-&-P-500 in der vergangenen Woche zum dritten Mal in drei Monaten gekürzt, und zwar von 1250 auf 1200 Punkte. Die USA, schätzt der Goldman-Analyst David Kostin, werden eine Rezession wohl gerade noch vermeiden können. Zugleich stagniere aber die Erholung der Wirtschaft. „Das instabile Makroumfeld wird in der absehbaren Zukunft anhalten“, schrieb er in einer Notiz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2011)