Let's make money: Der Börse langfristig fernbleiben

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Warum sich mit Bankaktien kurzfristig schön zocken lässt. Lang- und mittelfristig orientierte Anleger bleiben der Börse fern und warten in Ruhe ab, bis der Krisenzauber vorbei und ein Kursboden gefunden ist.

Dafür, dass Europa mit der belgischen Dexia schon wieder eine Großbankenrettung erlebt und die Griechenland-Krise immer dramatischere Formen annimmt, halten sich die Börsen eigentlich erstaunlich gut. Die abgelaufene Woche hat auf den wichtigen Märkten sogar mit Gewinnen geendet.

Hintergrund sind vergleichsweise günstige Konjunkturdaten aus den USA, die den Börsianern ein bisschen die Rezessionspanik genommen haben. Vor allem aber die starken Ansagen der EZB und der Eurogruppe, wonach die wackelnden europäischen Großbanken mit neuen Liquiditätsschüben versorgt und in Schwierigkeiten geratene Systembanken um jeden Preis gerettet werden sollen.

Der kränkelnde Patient hat also eine ordentliche Portion Aspirin in Kombination mit einer kräftigen Dosis Valium und einer Vitamininfusion bekommen und fühlt sich deshalb vorübergehend prächtig. Am Basisleiden ändert diese Therapie aber leider nichts. Im Gegenteil: Hinter den Kulissen wird offenbar schon sehr intensiv am nicht mehr weit entfernten Griechen-Haircut gearbeitet. Und der wird, auch wenn er niemanden überraschen kann, noch für einige Schüttelfrost-schübe sorgen.

An unserer Basiseinschätzung hier ändert sich also nichts: Lang- und mittelfristig orientierte Anleger bleiben der Börse fern und warten in Ruhe ab, bis der Krisenzauber vorbei und ein Kursboden gefunden ist. Wer noch immer auf dem Markt ist, nützt zwischenzeitige Erholungen für den Ausstieg.

Für den hartgesottenen Rest bringt die irre Volatilität, mit der die Kurse jetzt hin- und herzucken, dagegen schöne Kurzfrist-Chancen. Allerdings: Man sollte sich auf eine Haltedauer von höchstens ein paar Tagen einstellen und bei jeder Drehung relativ beherzt die Notbremse ziehen. Denn bei den in der Vorwoche bei Einzelwerten gesehenen Tageskursdifferenzen von zehn Prozent und mehr liegen schöne Gewinne und schmerzhafte Verluste sehr eng beisammen.

Sehr schön lassen sich solche Spielchen derzeit in den volatilsten europäischen Märkten spielen – und das sind die deutschen. Kandidaten für Kurzfrist-Trades sind da beispielsweise Finanzwerte wie Commerzbank(ISIN DE0008032004), Deutsche Bank(ISIN DE0008032004) oder Aareal Bank (ISIN DE0005408116). Aber wirklich nur für kurzfristiges Wellenreiten. Denn für Mittelfristinvestoren sind alle europäischen Großbanken derzeit absolute No-go-Area: Fundamental sind Bankaktien trotz aller Kursverluste krass überbewertet, denn die Branche steht vor einer Rekapitalisierungs- und Verstaatlichungswelle. Wenn die EU in der kommenden Woche aber den Merkel-Sarkozy-Plan zur Bankenrettung von der Leine lässt, dann ist ein Kurs-Strohfeuer aber schon denkbar.

Ähnlich wie die Banken entwickelt sich die Solarbranche, vor der an dieser Stelle in der vergangenen Woche gewarnt worden ist. Solarworld(ISIN DE0005108401) und Q-Cells(ISIN DE0005558662) waren in den vergangenen Tagen die Topwerte im deutschen Technologieindex Tecdax (allerdings sanken die Kurse am Freitag nachbörslich). Diese Entwicklung ist erstaunlich, denn die Solarunternehmen stecken nicht nur in Deutschland in einer Existenzkrise, die wohl mit einer Insolvenz- und Übernahmewelle zu Ende gehen wird. Weltweit wurden Überkapazitäten aufgebaut, die die Preise für Solarmodule innerhalb eines Jahres halbiert haben. Da lässt sich nichts verdienen.

Allerdings sind die Kurse angesichts solcher Szenarien in letzter Zeit viel zu stark nach unten gegangen, sodass die Gegenbewegung überfällig war. Die könnte noch ein paar Tage anhalten, woraus durchaus Gewinne zu lukrieren sind. Man sollte mit dem Wiederausstieg allerdings deutlich unter den bestehenden Analysten-Kurszielen (die bei Solarworld etwa bis zehn Euro gehen) bleiben. Denn die sind durch die Bank überhöht.

Kurzfrist-Chancen gibt es natürlich auch in Wien. Eine solche könnte beispielsweise OMV(ISIN AT0000743059) bieten, die seit Anfang Oktober anzieht. Die Gegenbewegung könnte charttechnisch durchaus noch in die Gegend von 28 Euro gehen, was vom derzeitigen Niveau aus an die 15 Prozent wären. Aber Vorsicht ist auch hier die Mutter der Porzellankiste: Bis in diese Gegend ist eine Kurssteigerung eine Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend und noch lange keine Trendwende. Die wird auch hier noch auf sich warten lassen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2011)

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