Revanche.Wo man die wertvollsten Informationen erhält und wie man das Studium im Ausland finanziert.Hilfe. Wo ergattern österreichische Studenten die besten Plätze an den deutschen Universitäten.
Die Deutschen haben es vorexerziert: Ist im eigenen Land kein Studienplatz frei, weicht man an eine Uni im Nachbarland aus. Studierende, die in Deutschland am Numerus-clausus scheiterten, versuchten ihr Glück in Österreich. Der Aufschrei, sie würden den Österreichern die Plätze wegnehmen, ließ nicht lange auf sich warten. Auf die Idee, es den Deutschen gleich zu tun, kamen bisher wenige. Warum nicht einfach zum Studium nach Deutschland gehen?
"Es ist nicht so leicht", meint Susanne Haslinger vom Internationalen Referat der ÖH, "sich individuell ein Auslandsstudium zu organisieren." Um Dinge wie Zulassung oder Finanzierung müsse man sich selbst kümmern _ ganz im Gegensatz zu Austauschprogrammen wie etwa Erasmus.
Beschwerlicher Weg
Der Weg ist mit Hürden gespickt. "UniLive" hat es am Telefon ausprobiert, wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität in München exakt eine Stunde vom einen zum anderen verbunden, ehe der Ausgangspunkt der Anfrage _ die Vermittlung _ wieder erreicht war. Grundsätzlich gilt aber: Erste Anlaufstelle für Interessierte ist immer das akademische Auslandsamt der jeweiligen Universität. Zwar ist für die bundesweit Numerus-clausus-pflichtigen Fächer die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) zuständig, allerdings gibt es zahlreiche Studiengänge, die von den einzelnen Bundesländern oder aber den Unis selbst beschränkt werden. Und deren Zahl steigt.
Der Numerus-clausus mag auf den ersten Blick abschreckend wirken, doch Österreicher sind mit den Deutschen völlig gleichberechtigt. Entscheidend ist der Durchschnitt der Noten von Matura- und Abschlusszeugnis. Und dass Österreicher dabei keine schlechten Karten haben zeigt, dass laut ZVS von den 148 österreichischen Bewerbern im Wintersemester 2005/06 über 53 Prozent aufgenommen wurden. In der Medizin waren es 60, in Biologie sogar 85 Prozent.
Die Möglichkeit, einem Deutschen den Studienplatz wegzunehmen, ist also vorhanden. Man muss sich nur trauen. Wer dennoch Angst hat, sich im Dschungel von Zugangsbeschränkungen und Eingangsprüfungen zu verlieren, wendet sich am besten an Manfred Scharf vom Centre International Universitaire (CIU) in Wien, das bei der Organisation eines Vollstudiums im Ausland kostenlos berät und hilft.
Ist der Weg an eine deutsche Uni erst einmal geschafft, tun sich nämlich neue Probleme auf. "Es ist die Finanzierung, die die meisten von einem Vollstudium im Ausland abhält", sagt Scharf. Ein österreichisches Stipendium bekommt man im Ausland nämlich nicht. Familienbeihilfe kann zwar mitgenommen werden, allerdings liegt eine Verlängerung im Ermessen des jeweils zuständigen Finanzamts und ist somit Verhandlungssache.
"Für Österreicher gibt es aber die Möglichkeit, ein deutsches Leistungsstipendium zu beantragen", sagt Anke van Kempen vom Münchner Studentenwerk. Diese Organisation hilft übrigens auch bei der Unterkunftssuche. Grundsätzlich sei der Wohnungsmarkt in allen deutschen Großstädten "extrem angespannt". Wohnungen seien teuer, Heimplätze rar. Aber: "Die Chance, als Österreicher in ein Studentenheim zu kommen, ist recht hoch, weil dort Ausländer überproportional vertreten sind."
Fazit: "Nach den neuesten Entwicklungen in Österreich ist ein Studium in Deutschland auf jeden Fall ein Weg, eine gute Ausbildung zu bekommen", sagt CIU-Experte Scharf. Er rät dazu, sich möglichst lange vor dem geplanten Studienbeginn über die Rahmenbedingungen zu informieren. Und im Nachsatz: Der einfachste Weg sei es, ein bereits in Österreich begonnenes Studium in Deutschland fortzusetzen. "Die Studiensysteme sind sehr ähnlich, ein Wechsel ist leicht möglich. Außerdem hat man in zugangsbeschränkten Fächern wegen der hohen Drop-Out-Quoten als Höhersemestriger bessere Chancen, aufgenommen zu werden."