Das Bank Austria Kunstforum widmet dem Maler-Star Fernando Botero eine Ausstellung mit 70 Gemälden. Mit der „Presse" sprach der Kolumbianer über seine Arbeit, den Kunstmarkt und Picasso.
Die Presse: Wie entstehen Ihre Bilder und was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Fernando Botero: Ich arbeite eigentlich immer. Darum habe ich auch an verschiedenen Orten Ateliers, damit ich, sofort, wenn mir etwas einfällt, malen kann. Ich arbeite in der Art wie man es im 19. Jahrhundert getan hat. Ich mache Skizzen, dann führe ich das Bild aus, aber ich unterbreche immer wieder, um Abstand zu gewinnen. Ein Bild ist fertig, wenn ich fertig bin mit dem Nachdenken darüber. Jeder Künstler hat dieses Problem: Wann höre ich auf? Es besteht die Gefahr, ein Werk zu verderben, wenn man zu lange daran arbeitet.
„Die Presse": Gibt es Leute, die Ihre Malerei nicht mögen? Und welche Malerei können Sie selbst nicht leiden?
Fernando Botero: Natürlich gibt es Leute, die meine Arbeit hassen. Aber das macht mir nichts aus, zumindest jetzt nicht mehr. Am Anfang hat es mir schon was ausgemacht. Es gibt Malerei, die ich nicht mag. Aber darüber möchte ich nichts sagen. Was mich stört ist, dass viele Künstler heute an der Technik nicht interessiert sind. Ich habe die Technik genau studiert und das haben auch die Altmeister getan.
Eines Ihrer jüngsten Werke ist ein Kreuzzug. Sind Sie religiös?
Fernando Botero: Wenn man ein Intellektueller ist, kann man nicht religiös sein. Ich glaube manchmal und manchmal nicht. Ich bin wahrscheinlich ein Agnostiker. Aber: Christus ist eines der wichtigsten Motive der Geschichte und der Kunstgeschichte. Ich hoffe, dass ich nicht gekreuzigt werde, wenn ich meine im Stile des 13. Jahrhunderts gestaltete Kreuzzug-Serie demnächst in New York zeige. Aber ich bin es gewöhnt, gekreuzigt zu werden.
Sie wurden 1932 in Medellin geboren, das als Drogenhochburg gilt. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie heute in Ihre Heimat reisen?
Fernando Botero: Politisch ist es besser geworden. In den 1980iger Jahren marschierten die War Lords offen in den Städten herum und begingen ihre Verbrechen. Heute müssen sie sich im Wald verstecken. Das Wirtschaftswachstum Kolumbiens beträgt 4,5 Prozent. Es gibt natürlich weiterhin Probleme mit der Guerilla, die FARC ist eine der ältesten Guerilla-Gruppen und existiert seit 1949. Es wurde oft versucht, Frieden zu schließen mit der Guerilla, aber ohne Erfolg. Ich habe Kolumbien als junger Mann verlassen. Heute liebe ich es sehr, es ist ein schönes Land, ich bin gerne dort.
Warum sind Ihre Figuren so voluminös?
Fernando Botero: Volumen ist ein wichtiger Teil der Kunstgeschichte, im 19. Jahrhundert sind korpulente Menschen verschwunden. Aber man kann doch nicht 600 Jahre Kunstgeschichte negieren. Ich schätze Jackson Pollock oder Mark Rothko. Ich habe sie auch gesammelt. Aber ich bin eben einen anderen Weg gegangen. Schon im Alter von 17 Jahren habe ich mich für das Voluminöse interessiert.
Dachten Sie nie daran, den Stil zu wechseln?
Fernando Botero: Nein. Ich hatte eine schwierige Zeit, weil in den fünfziger, sechziger Jahren existierte nichts anderes als Pollock. Ein Jahr lang habe ich einen expressionistischen Approach erprobt, aber ich beschloss dann darauf zu verzichten und ging meinen eigenen Weg.
Heute gibt es sehr viele Kunstmessen. Der Kunstmarkt hat sich ausgedehnt. Ist das für Künstler eine gute Entwicklung? Verkaufen Sie auch privat?
Fernando Botero: Nein, nie. Ich habe überall meine Galerien, allein drei in Amerika. Die Kunstmessen finde ich interessant. Man sieht statt einem Picasso zwanzig. Wenn man in eine Galerie kommt, sieht man einen Künstler und einen Preis, auf einer Kunstmesse sieht man viele Galerien und viele Künstler. Die Auktionen sind aber auf jeden Fall wichtiger. Mein Schweizer Kunsthändler besucht 12 Kunstmessen im Jahr, keine Ahnung, wie er das macht, aber ich finde es revolutionär auf wie viel verschiedenen Wegen Kunst in der Welt verteilt wird. 2008 gab es einen Crash. Alles stand für sechs Monate still. Inzwischen hat sich der Markt erholt. Kunst wird meist von reichen Leuten gekauft und die haben immer Geld.
Kaufen auch Hollywood-Stars ihre Gemälde?
Fernando Botero: Ich weiß nicht immer, wer meine Bilder kauft. Aber Hollywood-Stars, die kennt man. Billy Wilder war ein großer Sammler meiner Werke, Jack Nicholson hat, glaube ich, sechs. Auch Barbra Streisand, Anthony Quinn, Sharon Stone besitzen Bilder von mir.
Würden Sie berühmte Leute nach Anweisung malen?
Fernando Botero: Sicher nicht. Ich male, was mich bewegt - wie es mich bewegt. Bei sogenannten Familienporträts gibt es immer Probleme, weil die Leute nicht so aussehen wie sie gerne aussehen möchten. Meine Freunde sagen mir, ich soll George Clooney porträtieren. Er ist hübsch. Ich habe gesagt, lieber nicht. Die Männer sind die schlimmsten.
Haben Sie je Picasso getroffen?
Fernando Botero: Mein Freund und ich fuhren, als wir jung waren und nach Europa kamen, zu seinem Haus. Ein Gentleman kam raus, wir sagten, wir wollten Picasso treffen, er sagt: Haben Sie einen Termin? Wir sagten: Nein. Er sagte, dann können sie ihn auch nicht treffen. Wir gingen dann in ein Café, das er jeden Tag besuchte und warteten dort zwei Tage, aber er kann nicht. Also gaben wir es auf. Das war meine sehr kurze Geschichte mit Picasso.