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Doping: Mayer beteuert in Botwinow-Prozess Unschuld

MICHAIL BOTWINOW
(c) APA/EXPA/ Sandro Zangrando (Expa/ Sandro Zangrando)
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Am Mittwoch war Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer als Zeuge geladen: Er stritt ab, jemals mit Michail Botwinow bei Humanplasma gewesen zu sein und habe auch nie Sportler dorthin vermittelt.

Der Prozess gegen den zweifachen Olympia-Medaillengewinner Michail Botwinow wegen Falschaussage ist am Mittwoch im obersteirischen Landesgericht Leoben erneut vertagt worden. Diesmal gleich um mehrere Monate, da Ex-Leichtathletin Stephanie Graf von der Verteidigung als Zeugin beantragt wurde. Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer sagte als Zeuge vor Gericht aus, dass er nicht wisse, ob Botwinow jemals bei Humanplasma war, um sich Blut abnehmen zu lassen: "Mit mir war er definitiv nicht dort und ich habe ihn auch nicht zu Humanplasma vermittelt."

Mayer gab an, dass er überhaupt keine Sportler an das Wiener Unternehmen vermittelt habe. Er könne aber nicht ausschließen, dass zum selben Zeitpunkt wie er auch Sportler bei Humanplasma anwesend waren. Seinen Standpunkt zum Thema Blutdoping erklärte Mayer gegenüber Richter Richard Gollner so: Wenn die Österreicher mit den anderen mithalten und Chancengleichheit wollten, sei diese Form des Dopings "moralisch legitim".

Der Vorwurf, er habe Termine für Sportler ausgemacht und das Geld an Humanplasma-Geschäftsführer Rudolf Meixner übergeben, sei nicht richtig, erklärte Mayer. Wenn Meixner das behaupte, wolle er ein gutes Verhältnis mit der Staatsanwaltschaft erreichen und von seinen eigenen Problemen ablenken. Er sei überzeugt, dass der Geschäftsführer mit Blutdoping nicht nur ein paar 100.000 Euro - wie in der Selbstanzeige angeführt - verdient habe, sondern Millionen.

Bernhard Kohls markantes Gesicht

Paul H., Spezialist für Transfusionsmedizin und damals bei Humanplasma engagiert, sagte anschließend ebenfalls als Zeuge aus: Er könne sich bei seinen Blutabnahmen bei Humanplasma nur an die Läuferinnen Stephanie Graf-Zitny und Susanne Pumper erinnern. Bei letzterer seien aber die Venen zu schlecht für eine Abnahme gewesen. An Botwinow wollte er sich nicht erinnern können - er habe nicht einmal mehr gewusst, dass Ex-Radprofi Bernhard Kohl dreimal bei Humanplasma gewesen sein soll und der habe "sogar ein markantes Gesicht". Höcker meinte vor Gericht, dass Mayer fast immer zusammen mit den Sportlern im Hause war und auch das Geld für die Abnahmen an Meixner bezahlt hatte.

Stephanie Graf-Zitny war zwar schon für den zweiten Verhandlungstermin geladen gewesen, hatte sich aber wegen einer Weltreise entschuldigt. Sie dürfte erst wieder im Jänner oder Februar zurück sein, so Richter Gollner. Da die Verteidigung nicht auf ihre Einvernahme verzichten wollte, wird der Prozess nach ihrer Rückkehr fortgesetzt.

Dem ehemaligen Langlauf-Profi Botwinow wird vorgeworfen, bei den Doping-Ermittlungen gegen Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer gelogen zu haben. Entgegen seinen Aussagen habe er sich laut Anklage bei der Wiener Plasmapherese-Station (Trennung von Blutplasma, Anm.) Humanplasma Blut abnehmen lassen. Botwinow erklärte sich bereits beim ersten Verhandlungstag am 7. September für nicht schuldig und beteuerte, nie bei Humanplasma gewesen zu sein.

(APA)