Wiener Taxis: Qualitätskontrolle durch Detektive

Symbolbild: Taxis in Wien
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Mit einem sogenannten Mystery-Shopping will die Taxi-Innung mögliche Missstände beseitigen. Bei groben Verfehlungen droht Lizenzentzug.

Bei einem ADAC-Test schnitten die Wiener Taxilenker im Europavergleich schlecht ab. Unter den 24 getesteten Städten kam die Bundeshauptstadt nur auf Platz 22. "Der Taxi-Test war nur eine kleine Blitzlichtaufnahme", da von den ADAC-Prüfern nur zehn Fahrten getätigt worden seien, meinte Christian Gerzabek, Fachgruppenobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, am Mittwoch: "Aber ich gebe zu, dass es Mängel gibt." Die Taxiinnung kündigte nun Maßnahmen an, Detektive sollen Qualitätskontrollen durchführen. Werden grobe Verfehlungen festgestellt, müssen betroffene Lenker mit dem Entzug ihrer Lizenz rechnen.

Berufsdetektive sollen sich durch die Stadt chauffieren lassen und Missstände dokumentieren. Wann das sogenannte Mystery-Shopping startet, steht noch nicht fest. Man sei noch in der Koordinierungsphase. "Wir nehmen dafür viel Geld in die Hand", meinte Gerzabek. In der ersten Tranche werden dafür 40.000 Euro budgetiert. Diese Art der Qualitätskontrolle soll zu einer permanenten Einrichtung werden. Dieser Schritt sei bereits vor der Veröffentlichung des ADAC-Tests beschlossen worden.

Augenmerk auf "persönliche Qualität"

Es gebe teils "erhebliche Defizite bei Lenkern", gestand Gerzabek ein. Die bereits im Vorjahr in Kraft getretene Reform der Taxiprüfung habe hier allerdings schon einiges verbessert. So werde höheres Augenmerk auf die "persönliche Qualität" der Lenker und auf Deutschkenntnisse gelegt. Und: "Die Ortskenntnisse sind nicht so schlecht, wie es immer heißt", meinte der Innungschef.

Das miese Abschneiden Wiens beim ADAC-Test wurde auch mit den mangelhaften Englischkenntnissen der Fahrer begründet. Hier sieht die Innung jedoch wenig Handlungsbedarf. "Wir leben in einer Stadt, in der Deutsch gesprochen wird", argumentierte der Fachgruppenobmann. Außerdem sei dieses Kriterium etwa beim Testsieger Barcelona auch nicht abgefragt worden. Er habe sich erkundigt, versicherte Gerzabek.

Wien-Tourismus: Viertel der Fahrten mangelhaft

Nicht nur der ADAC, auch Wien-Tourismus hat die Qualität der Wiener Taxilenker unter die Lupe genommen. "Grundsätzlich muss man sagen, dass ein Viertel der Fahrten mangelhaft war und beanstandet wurde", zog Tourismuschef Norbert Kettner Bilanz. Im Sommer wurden 131 Testfahrten unternommen. Bei den Fahrzeugen fielen vor allem deren veraltetes Erscheinungsbild (30 Prozent), mangelnde Ordnung und Reinlichkeit im Innenraum (22 Prozent) und unangenehmer Geruch (17 Prozent) negativ auf. Mehr als die Hälfte der Autos (58 Prozent) sei nicht klimatisiert gewesen. Bei fast einem Drittel der Fahrten (32 Prozent) hätte nicht mit Kreditkarte bezahlt werden können.

Der größte Kritikpunkt bei den Fahrern betraf deren Englischkenntnisse. Diese seien bei fast jeder zweiten Fahrt (47 Prozent) mangelhaft gewesen. "Wobei 'mangelhaft' nicht englische Konversation bedeutet. Das verlangen wir von keinem Taxler in Wien", erklärte Kettner. Vielmehr gehe es darum, ob jemand fähig sei, eine Ortsangabe zu verstehen. Zudem sei bei zwölf Prozent der Fahrten die Route unbekannt gewesen oder es sei eine falsche gefahren worden.

Einheitliche Optik für Wiens Taxi?

Neben Reformen fordert der Wien-Tourismus auch eine einheitliche Optik für Wiens Taxi. "Man kann niemanden vorschreiben, wie sein Taxi ausschaut. Ich glaube nur, was in Städten wie Berlin oder Hamburg funktioniert, muss in Wien auch funktionieren", so Kettner. In den beiden deutschen Städten gebe es eine freiwillige Selbstverpflichtung für Taxler, wie ein Auto auszusehen habe.

Wien-Tourismus wünscht sich eine einheitliche Optik für die Taxis.
(c) Die Presse (Clemens Fabry)