Schnellauswahl

Liberalisierung senkte Energiekosten um 11,5 Mrd. Euro

Symbolbild
(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)

Seit zehn Jahren gibt es einen Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt. Doch bei den Haushalten sind die Wechselraten immer noch sehr gering. Haushaltskunden lassen immer noch 400 Millionen an Einsparungen liegen.

Wien/jaz. Strom und Gas kosten heute mehr als vor zehn Jahren. Hätte es damals jedoch keine Liberalisierung gegeben, wäre der Preisanstieg noch deutlich kräftiger ausgefallen. Das ist die Bilanz, die der heimische Energieregulator E-Control am Mittwoch über zehn Jahre Liberalisierung des Energiemarktes zog.
„Um 640 Mio. Euro pro Jahr oder 30 Prozent wurden etwa die Netzgebühren bei Strom gesenkt“, sagt E-Control-Vorstand Walter Boltz. In Summe ersparten sich die heimischen Stromkunden damit 10,2 Mrd. Euro. Bei den Gaskunden war der Liberalisierungseffekt nicht ganz so kräftig: „Ohne sie hätten die Gaskunden um 1,3 Mrd. Euro mehr gezahlt“, so Boltz.
Den Großteil der Ersparnis lukrierten mit 10,1 Mrd. Euro jedoch Gewerbe und Industrie. Dies sei einerseits dadurch bedingt, dass diese beiden Kundensegmente auch zwei Drittel des Gesamtverbrauchs ausmachen. Allerdings seien vor allem Großbetriebe auch wesentlich „preissensibler“ und hätten die Preisvorteile durch den Wettbewerb stärker genutzt.

Wenig Bereitschaft zu Wechsel

Bei den Haushalten hingegen sind die Wechselraten immer noch sehr gering. Lediglich 1,5 Prozent der Strom- und 0,8 Prozent der Gaskunden wechselten in der Vergangenheit pro Jahr ihren Anbieter. Und das, obwohl „das Wechseln nur 15 Minuten dauert“ und spürbare Verbilligungen möglich sind. Boltz hofft, dass durch Informationskampagnen dieser Anteil auf zumindest fünf Prozent angehoben werden kann.
Durch das Wechseln des Anbieters kann sich ein heimischer Haushalt mit dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr bis zu 82 Euro (zwölf Prozent) sparen. Bei Gaskunden mit einem Verbrauch von 15.000 Kilowattstunden sind Einsparungen von bis zu 172 Euro (15 Prozent) möglich. Grundsätzlich sind die Einsparungen größer, je weiter im Osten von Österreich der Konsument lebt. „Insgesamt könnten die Haushalte durch den Wechsel ihrer Energielieferanten rund 400 Mio. Euro pro Jahr einsparen. Wer nicht wechselt, sollte sich auch nicht ärgern, dass die Preise so hoch sind“, so Boltz. Informationen für den Wechsel gibt der Tarifkalkulator auf der Homepage der E-Control.

Steigerungen werden akzeptiert

Aufgrund der geringen Wechselraten gebe es auch immer noch keinen wirklichen Wettbewerb zwischen den heimischen Energieversorgern, meint der Energieregulator. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland gebe es mit der Energie-Allianz-Austria überhaupt nur noch einen angestammten Versorger, der lediglich mit drei Markennamen (Wien Energie, EVN, Bewag/Begas) auftritt.
Dies ermöglichte den Energieunternehmen, Kostensteigerungen an die Haushaltskunden ohne Probleme weiterzugeben. Die Gesamtkosten für Strom (Netz, Energie, Steuern) stiegen dadurch in den vergangenen zehn Jahren um knapp 50 Prozent auf 19,6 Cent je Kilowattstunde. Der Anteil der Netzgebühren reduzierte sich dabei von 44 auf 26 Prozent. Der Energieanteil stieg indes um zwei Drittel auf 44 Prozent an. Und auch der Staat griff tiefer in die Taschen der Konsumenten: Der Steueranteil blieb mit 30 Prozent zwar gleich, aufgrund der Steigerung der Gesamtkosten erhöhte sich absolut aber auch dieser Teil.


Dass dies nicht so sein muss, zeigt der Vergleich mit anderen europäischen Ländern. So sind etwa die Haushaltspreise für Strom im besonders wechselfreudigen Großbritannien um mehr als ein Viertel niedriger als hierzulande (siehe Grafik). Und dies, obwohl die Briten ihren Strom vor allem mit Gas erzeugen, dessen Preis in den vergangenen Jahren kräftig angestiegen ist – und nicht wie in Österreich aus Wasserkraftwerken.
Die erwarteten Einsparungen brachte die Liberalisierung also, so Boltz. Das vielfach an die Wand gemalte Chaos samt Blackouts blieb aus. Und auch für die Energieversorger und deren Eigentümer in Bund oder Ländern brachte die Liberalisierung keine gravierenden Nachteile. „Erstens ist es heute für die Firmen auch interessanter. Früher war eine Aktivität in anderen Bundesländern oder Staaten ja de facto verboten“, so Boltz. Die Dividendenzahlungen an die Eigentümer stiegen sogar. Grund dafür war, dass sämtliche Kosten durchforstet wurden. So reduzierte die Branche etwa ihren Mitarbeiterstand um ein Fünftel auf 20.000 Personen.