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Nationalstolz statt EU-Beitritt

Die Türkei zeigt kaum noch Bereitschaft, die Bedingungen der EU zu erfüllen.

Mit erhobenem Zeigefinger weist die EU ihre Aspiranten Jahr für Jahr auf jene Probleme und ungelösten Fragen hin, die einem Beitritt (noch) im Weg stehen.

Im Fall der Türkei ist das wichtigste Argument für den Quasi-Verhandlungsstopp der ungeklärte Zypern-Streit. Ankara ist nicht bereit, sich hier auch nur einen Millimeter zu bewegen. Die Ankündigung von Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan, die Beziehungen zur EU während der zypriotischen Ratspräsidentschaft zu unterbrechen, schlug in Brüssel bereits wie eine Bombe ein. Zuletzt eskalierte der Streit aber vollends. Als Zypern mit Öl- und Gasbohrungen vor seiner Küste begann, entsandte Ankara ein Erkundungsschiff und stellte Ansprüche auf die Rohstoffe.

All dies zeigt deutlich: Der Beitrittswille der Türkei erlahmt zusehends. Seit Ausbruch des Arabischen Frühlings ist im Land ein neues Selbstbewusstsein als „Brückenbauer“ zwischen dem Westen und der islamischen Welt erwacht. Und als solcher will man sich wohl von Brüssel nichts sagen lassen.

 

anna.gabriel@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2011)