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Migranten: Kurz sagt Ländern langfristige Sprachförderung zu

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Eine Studie des Integrationsfonds zeigt die Probleme in den Bundesländern auf: Der Anteil der Kinder nicht deutscher Muttersprache ist in den Sonderschulen besonders hoch, an Gymnasien dagegen deutlich geringer.

Wien/Graz. Die zuständigen Landesräte verließen am frühen Mittwochnachmittag einigermaßen zufrieden die erste Integrationstagung im steirischen Seggauberg: Staatssekretär Sebastian Kurz hatte am Vormittag sein Interesse signalisiert, die sprachliche Frühforderung im Kindergarten über das Jahr 2012 hinaus finanziell abzusichern.

Dieser Punkt war auf dem Wunschzettel der Landesreferenten ganz oben gestanden. Einen Zeitrahmen wollte Kurz noch nicht nennen – er versprach allerdings, die Ausarbeitung einer langfristigen Vereinbarung in Auftrag zu geben.

Zumindest für nächstes Jahr ist die Finanzierung gesichert: Wie schon von 2008 bis 2010 wird der Bund wieder jeden Euro, den die Länder in die Sprachförderung von Kindern investieren, verdoppeln – und zwar bis zu einer Obergrenze von fünf Millionen Euro. Dahinter stecken alarmierende Zahlen: 80 Prozent der Kinder nicht deutscher Muttersprache und 15 Prozent der deutschsprachigen haben Defizite. Sprachpädagogen sollen durch die Bundesmittel extra eingestellt werden und sich ihrer annehmen.

 

Sonderschulen: Viele Migranten

Den Handlungsbedarf im Bildungsbereich belegt auch eine aktuelle Studie des Integrationsfonds zum Thema „Migration und Integration in den Bundesländern“, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach ist der Anteil von Kindern nicht deutscher Muttersprache in den Sonderschulen besonders hoch. In Vorarlberg etwa belief er sich im Schuljahr 2009/10 auf 35 Prozent, in Wien stammten 52 Prozent der Volks- und Sonderschüler aus fremdsprachigen Familien.

In den höheren Schultypen, vor allem in den Gymnasien, ist der Anteil dagegen deutlich geringer: Nur sechs Prozent der niederösterreichischen AHS-Schüler hatten im vergangenen Schuljahr eine andere Muttersprache als Deutsch. Das war österreichweit der niedrigste Wert. Den (mit Abstand) höchsten verzeichnete Wien mit 29 Prozent fremdsprachiger Gymnasiasten.

 

Die Bevölkerung wächst

Generell kommt die Studie zu dem Schluss, dass das österreichische Bevölkerungswachstum nur durch Zuwanderung ermöglicht wurde (auch, weil die Geburtenrate konstant niedrig ist). In Wien etwa zogen im Vorjahr 47.300 Personen zu, gleichzeitig wanderten 35.600 ab. Das ergibt eine Nettozuwanderung von 11.700 Menschen. 47 Prozent dieser Migranten (22.100) stammten aus anderen EU-Staaten, 19.300 aus Drittstaaten (mehrheitlich aus dem ehemaligen Jugoslawien), 5900 waren Österreicher.

Wenig überraschend hat Wien mit 33,4 Prozent den höchsten Ausländeranteil. Die größte Gruppe sind Serben, Montenegriner und Kosovaren (112.000 Personen), gefolgt von Türken (74.400) und Deutschen (46.700). Mit 47,6 Prozent ist Rudolfsheim-Fünfhaus der stärkste Migrationsbezirk – vor Brigittenau und Margareten.

Im Ländervergleich liegt Vorarlberg auf Platz zwei, mit einem migrantischen Anteil von 19,9 Prozent. Am anderen Ende der Statistik rangiert das Burgenland – nur 9,4 Prozent der Menschen sind dort ausländischer Herkunft. Sie kommen vorwiegend aus Ungarn, Deutschland und Rumänien. Neben Tirol ist das Burgenland demnach auch eines von zwei Ländern, in dem zwei Drittel der Migranten aus dem EU-Ausland kommen. Im übrigen Österreich beläuft sich der EU-Anteil auf rund die Hälfte.

Ausreißer ist das Burgenland auch in einer anderen Wertung: Die Arbeitslosenquote von ausländischen Staatsbürgern liegt dort mit 5,4 Prozent unter dem österreichischen Schnitt (8,2 Prozent). In den anderen Bundesländern ist die Quote deutlich höher – am höchsten in Kärnten (12,5 Prozent) und in Wien (zwölf Prozent).

Quer durch alle Länder zeigt die Studie auch eine deutliche Einkommensschere zwischen österreichischen und ausländischen Beschäftigten. Die größten Unterschiede gibt es in Wien, wo Migranten 2009 nur 76 Prozent des Einkommens von Österreichern zur Verfügung hatten. Allerdings: Zuwanderer aus der Schweiz, dem EWR und jenen Staaten, die der EU vor 2004 beitraten, verdienten in Wien mehr als Österreicher, Türken hingegen deutlich weniger.

Am kleinsten ist die Einkommensschere in Vorarlberg: Ausländische Arbeitnehmer kommen dort auf immerhin 89 Prozent der österreichischen Einkommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2011)