Fußball: Tore sind Zufall und der Schlechte gewinnt

Physik. Wie ein Grazer Professor den Ballsport entzaubert.

WIEN. "Möge der Bessere gewinnen." Klingt gut, ist aber beim Fußball oft ein frommer Wunsch. Das behauptet Leopold Mathelitsch, Physik-Professor an der Uni Graz. Er hat Fußballergebnisse analysiert und die Schlussfolgerung gezogen: Je weniger Tore fallen, desto größer ist die Chance, dass ein Außenseiter gewinnt.

Je mehr Treffer in einem Spiel fallen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Match durch ein einziges Zufallstor entschieden wird. "Darum ist von allen Ballsportarten wie Hand- oder Basketball der Glücksspielanteil bei Fußball am höchsten", sagt Mathelitsch. Weiteres Argument: "Toto gibt es nur beim Fußball." Wenn Spiele so vorhersehbar wären, dass der Bessere immer gewinnt, würde Toto nicht funktionieren.

Das Phänomen, dass in Cup-Bewerben Mannschaften aus der ersten Liga gegen krasse Außenseiter verlieren, sieht der Professor als weiteres Indiz. Aber auch bei internationalen Bewerben muss sich laut Mathelitsch nicht immer die beste Mannschaft durchsetzen: "Als Griechenland Europameister wurde, waren einige Mannschaften stärker."

Mit seinen Thesen steht der Grazer Professor übrigens nicht allein da. Ein englischer Kollege hat eine ganze Meisterschaft mit 21 Mannschaften simuliert, von denen alle bis auf eine deutlich stärkere, gleich gut waren. Dem legte er die Äquivalenz einer radioaktiven Quelle zu Grunde und legte die Zerfallsrate, deren Schwankung recht gut erforscht ist, auf Tore pro Spiel um. Sein Ergebnis: Nach vierzig Runden wurde in weniger als 50 Prozent der Fälle die stärkere Mannschaft tatsächlich Meister.

Weniger wissenschaftlich aber mit einem ähnlichen Ergebnis argumentierte übrigens einst der britische Ex-Fußballer Gary Lineker: "Fußball ist ein einfaches Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, den Ball spielen, und einem Schiedsrichter, der eine Reihe dummer Fehler macht - und am Ende gewinnt immer Deutschland."


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