Die Inflation galoppiert davon

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Symbolbild(c) Bilderbox / Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
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Inflation hat im September vier Prozent erreicht. Sie ist für die fast schon stillstehende Konjunktur viel zu hoch. Und sie ist nur zum Teil importiert, sondern wird durch Steuern und Gebühren noch „gehebelt“.

Nach dem harmonisierten Verbraucherpreisindex der EU hat die Inflation in Österreich im September vier Prozent erreicht. Das ist ein mörderischer Wert: Die Preissteigerungen sind damit in Österreich um 33,3 Prozent höher als im EU-Schnitt, wo der Index um drei Prozent angezogen hat. Selbst wenn wir die freundlichere österreichische VPI-Berechnung heranziehen, liegen wir mit 3,6 Prozent Teuerung noch immer weit vor den anderen EU-Ländern. Nur in der Slowakei und in Estland galoppieren die Preise noch schneller.
Und das ist noch nicht die ganze spürbare Wahrheit: Der sogenannte Wocheneinkauf hat sich um 7,1 Prozent verteuert. Das ist die wahre Inflationsrate für Leute mit normalem Konsumverhalten, die nicht Computerdrucker essen und jede Woche einen neuen Flachbildschirm kaufen.

Zeichen von Stagflation

Wir haben also Inflationsraten, die zu einer völligen Wirtschaftsüberhitzung passen. Aber nicht zu einer Konjunktur, die langsam zum Stillstand kommt. Da nennt man so etwas Stagflation (Inflation bei Stagnation) – und das ist nicht gerade etwas, was Konjunkturexperten optimal finden. Stagflation hat, wie man während der Ölschocks in den Siebzigerjahren beobachten konnte, einen ausgeprägt negativen Einfluss auf Konjunktur und Arbeitsmarkt. Das braucht das Land derzeit ähnlich dringend wie einen Kropf.
Wo kommt diese Teuerung eigentlich her? Die Treibstoffe sind die Hauptschuldigen, belehren uns die Statistiker. Das stimmt irgendwie, ist aber nur die halbe Wahrheit: Die Preise für Rohöl, Benzin und Diesel sind auch für Lieferungen nach Schweden (1,5 Prozent Inflation) oder Frankreich (2,4 Prozent Inflation) gestiegen. Mit einem Unterschied: In Österreich hat man zu Jahresbeginn die Mineralölsteuer ordentlich hinaufgeschnalzt. Knapp die Hälfte der Treibstoffpreiserhöhung ist somit hausgemacht.
Womit wir schon bei einem der größten Preistreiber sind: der öffentlichen Hand. Und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Denn mit der dramatischer werdenden Ebbe in den öffentlichen Kassen wird auch stärker an der Gebührenschraube gedreht. In Wien beispielsweise sind gerade umfassende Gebührenerhöhungen im teils zweistelligen Prozentbereich im Laufen.
Es ist somit garantiert, dass der erwartete Rückgang der Inflationsrate im kommenden Jahr nicht zu spürbar ausfallen wird. Das wird dann noch kein großes Problem sein. Denn die Konjunktur lässt nach und unausgelastete Produktionskapazitäten sind nicht gerade optimale Voraussetzung für Unternehmen, Preiserhöhungen auf dem Markt durchzusetzen. Das wird aber nicht so bleiben. Sobald die Wirtschaft wieder in die Gänge kommt, wird der Druck auch von dieser Seite zunehmen. Und dann hat man eine von der öffentlichen Hand geschaffene recht solide Basisinflation, auf die dann „aufgedoppelt“ wird.

Beschämender Stockerlplatz

Dann könnte auch die überreichliche Liquidität, die die Europäische Zentralbank in der Krise notgedrungen geschaffen hat, ihren Weg in die Verbraucherpreise finden. Derzeit scheint das ja noch kein größeres Problem zu sein.
Jedenfalls: Die Voraussetzungen für eine unangenehme Teuerungswelle nach dem Wiederanspringen der Wirtschaft werden gerade geschaffen. Und die diversen öffentlichen Hände sind da an vorderster Front dabei.
Vier beziehungsweise 3,6 Prozent Inflation sind für die derzeitige Wirtschaftslage viel zu hoch. Und dass wir in der EU, was die Höhe der Inflationsraten betrifft, als Dritter noch auf dem „Siegerstockerl“ stehen, zeigt, dass das Argument von der überwiegend importierten Inflation eine Legende ist, die der Wirklichkeit nicht standhält.

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