Peter Kraus: Der deutsche Elvis will nichts vom Alter wissen

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Peter Kraus, das Teenie-Idol der Fünfziger, das, wie gerne formuliert wird, den Rock'n'Roll nach Deutschland und Österreich brachte, erklärt im "Presse"-Interview, warum er weder älter werden noch aufhören will.

Man mag es kaum glauben, aber auf Peter Kraus lauern immer noch die Paparazzi. „Oben ohne in der Waschstraße“, titelte die „Bild“-Zeitung kürzlich, nachdem ein Fotograf den Oldtimer-Fan aus der Ferne beim Autoputz erwischt hatte. Daran erinnert sich Kraus, als er in Wien im Café Museum am Karlsplatz sitzt und einen Fotografen entdeckt, der ihn – auch hier aus der Ferne – ungefragt ablichtet.

Es stört ihn nicht weiter, lieber widmet er sich dem Würstel mit Gulaschsaft. „Das gibt es nur hier“, schwärmt er, und würde es auch nur hier essen. Kaiserschmarrn nur am Arlberg, keinen Krabbencocktail im Münchner Biergarten. „Künstliche Entbehrung mit verzögerter Freude“, nennt er das.

Es sind kleine Alltagsphilosophien wie diese, die Kraus in seiner Biografie mit seinen Lesern (in denen er eindeutig seine Fans vermutet) teilt. Er hat „jede Zeile, jede Formulierung“ selbst geschrieben, hat in den letzten Jahren schon zu Hause am Luganer See morgens am Computer Geschichten aus seinem Leben zu Papier gebracht. Teile davon sind nun zu diesem Buch geworden. Titel: „Für immer jung“.

Damit will der 72-Jährige, der, wie gerne formuliert wird, vor 55 Jahren den Rock'n'Roll nach Deutschland und Österreich brachte und in weiterer Folge zum Filmidol avancierte, eine stets wiederkehrende Journalistenfrage beantworten: Wie er es denn nun schaffe, so jugendlich zu sein. „Fit im Kopf und im Körper bleiben“, würde „jung sein“ für ihn bedeuten, auch lebenslustig zu bleiben. Aber auch, ergänzt er: „Im Grunde das Alter nicht wahrnehmen, auch feige vor sich herschieben. Irgendwo sagen, ich will noch nichts davon wissen. Ich glaube, das hilft.“

Als Empfehlung mit dem Zeigefinger könne man all das dabei nicht verstehen: „Man muss dazu erst einmal das Glück haben, das ich in meinem Leben gehabt habe – auch gesundheitlich. Ich war noch nie im Krankenhaus.“ Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid, einer Wienerin,  ist er gleichzeitig aber auch sehr bedacht darauf, sich gut zu ernähren und viel zu bewegen (Kraus fährt immer noch Ski, auf Wasser wie auf Schnee).

Dennoch hat seine Fitness wohl auch damit zu tun, dass der wilde Star der Fünfziger und Sechziger den Rock'n'Roll zwar liebte, aber nicht sehr lange lebte. „Ich hätte ihn weiter gelebt, wenn meine Frau nicht dazwischen gekommen wäre. Wenn man das Gefühl hat, die richtige Frau gefunden zu haben, muss man zugreifen. Und zehn Jahre waren genug.“

Das Image freilich lebt, und Kraus bedient es fröhlich weiter. „Mein Bestreben ist, meine alten Fans glücklich zu machen, die die Erinnerung an früher wollen. Mit den Songs, die sie wirklich hören wollen – mit einer gewissen Ironie und Augenzwinkern. Ich will aber auch neue Leute dazugewinnen, und es hat sich eingebürgert, dass immer ein bisschen mehr dabei ist als nur die alten Hits.“ Für die erste Gruppe, jene, die mit „Tutti Frutti“ und „Wenn die Conny mit dem Peter“ aufgewachsen ist und ihn schon damals anhimmelte, will er den alten Peter Kraus bieten können. „Ich bin sicher, die Leute würden nicht mehr ins Konzert kommen, wenn ich mit dickem Bauch auf dem Hocker sitzen würde.“

Hat das Jungsein-Wollen also doch auch mit jenem Perfektionismus zu tun, mit dem er schon als Teenager an seine Aufgaben heranging? „Es ist kein Jungsein-Wollen“, antwortet Kraus. „Ich muss jung sein, das bin ich mir und meinem Publikum schuldig.“ Ans Aufhören habe er wohl auch schon gedacht. „Aber wenn dann die Leute begeistert vor dir rumhüpfen – dieser Moment führt einen immer wieder zurück.“ Und so ist er ab Februar mit Andy Lee Lang und Wiener Musicaldarstellern wieder on the road, ganz wie ein Junger. Manchmal, sagt er, würde er schon denken, „dass ich nicht mehr so sein sollte. Ein bisschen Nachdenken wäre vielleicht auch ganz gescheit. Aber: noch nicht. Vielleicht nach der nächsten Tournee.“