Studieren mit Kind: Wohin mit dem Nachwuchs?

Wo man Kinder unterbringt, während man im Hörsaal sitzt.

Schreiende Kinder kommen nicht immer gut an. Vor allem in größeren Menschenansammlungen, wo noch dazu konzentriert gearbeitet wird, wird auf Lärm besonders empfindlich reagiert.

Dementsprechend wenig Freude haben auch Studierende, wenn in Bibliothek oder Hörsaal ständig der Konzentrations- mit dem Lärmpegel kämpfen muss. Schlechte Bedingungen also für Studierende mit Kind. Und dennoch können die rund 25.000 Studenten mit Nachwuchs, die es derzeit in Österreich gibt, regelmäßig Lehrveranstaltungen besuchen. Denn an den Universitäten gibt es mittlerweile zahlreiche Einrichtungen, in denen die Kinder untergebracht werden können.

Stundenweise Unterbringung

Eine spezielle Möglichkeit bietet das Kinderbüro der Uni Wien mit dem "Kinderzimmer". Hier können können Eltern ihre Kinder ab dem Säuglingsalter je nach Bedarf auch stundenweise, etwa während einer bestimmten Lehrveranstaltung, unterbringen. Und auch nur die tatsächlich genutzte Zeit muss bezahlt werden. Studierende und Mitarbeiter der Uni Wien bezahlen für einen Zwei-Stunden-Block 2 Euro, für alle anderen sind 12 Euro fällig. Zusätzlich gibt es auch ein eigenes Elternzimmer, in dem _ außerhalb der Hörweite _ in Ruhe gearbeitet und gelernt werden kann. Rund 350 Eltern nehmen das Angebot mittlerweile regelmäßig in Anspruch. Wegen der großen Nachfrage ist das Kinderzimmer ab 1. März die ganze Arbeitswoche über täglich von 9 bis 15 Uhr, am Donnerstag zusätzlich von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

Ein Haus für Alleinerziehende

Noch nicht ganz so weit ist ein Projekt speziell für alleinerziehende Studierende in Graz. Der Verein "WohIn" arbeitet derzeit an der Realisierung von Wohnmöglichkeiten für sozial bedürftige Studenten mit Kind. Acht Wohnungen und ein Gemeinschaftsraum sollen zu leistbaren Mieten zur Verfügung gestellt werden. Neben der günstigen Wohnmöglichkeit wird ein weiterer Vorteil darin liegen, dass sich die Eltern gegenseitig bei der Betreuung der Kinder unterstützen. "Wer zu einer Prüfung muss, kann inzwischen das Kind anderen Bewohnern anvertrauen", sagt Marie-Therese Sagl, eine der Initiatorinnen.

Als Standort ist ein in Bau befindliches Haus nahe der Grazer Universität vorgesehen, in dem auch andere soziale Einrichtungen untergebracht werden. Dazu gehören WGs für ältere Menschen, die für die Kinder auch großelterliche Bezugspersonen werden sollen. Schließlich ist darin auch eine Kinderbetreuungseinrichtung mit einer "Alterserweiterten Gruppe" vorgesehen. Kinder bis zu zehn Jahren sollen hier gemeinsam betreut werden.

Sorgen bereitet den Initiatoren momentan aber noch die Finanzierung. Es fehlt an den nötigen Förderungen und Sponsoren, um das Projekt umsetzen zu können. Sagl hofft aber, dass es im Herbst 2006 endlich soweit sein sollte. Wird das Haus realisiert, ist es das erste dieser Art in Österreich. Und auch in anderen Ländern haben solche Einrichtungen noch Seltenheitswert. Bis auf zwei Häuser in Freiburg und Bonn gibt es laut "WohIn" nichts Vergleichbares.


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