Deutschland: Razzien nach Kauf von Steuersünder-CD

Deutschland: Razzien nach Kauf von Steuersünder-CD
Deutschland: Razzien nach Kauf von Steuersünder-CD(c) AP (Nell Redmond)
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Mehrere Büros einer Vermögensverwaltung der August-von-Finck-Gruppe sollen durchsucht worden sein.

Nach dem Kauf einer neuen Steuersünder-CD haben die Ermittler in Deutschland mehrere Büros einer Vermögensverwaltung durchsucht. Bei den Razzien seien am Freitag zeitgleich Standort des Unternehmens in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg unter die Lupe genommen worden, sagte ein Sprecher der federführenden Staatsanwaltschaft Bochum der "Bild am Sonntag".

Nach Informationen der Zeitung handle es sich um die Düsseldorfer VM Vermögensmanagement. Das Unternehmen gehöre zur August-von-Finck-Gruppe und betreue nach eigenen Angaben ein Anlagevermögen von deutlich über zwei Milliarden Euro. Bei den Razzien sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Informationen durchgesickert?

Der "Spiegel" berichtete, im Zusammenhang mit den Razzien sei es zu einer Panne gekommen. Da die Durchsuchungsaktionen ursprünglich früher stattfinden sollten, dann aber auf den November verschoben wurden, seien Informationen durchgesickert. Daher hätten die Ermittler versucht, mit den Razzien ab Freitag in einer Notaktion zu retten, was noch zu retten sei.

Die Deutsche Steuergewerkschaft erwartet durch die von Nordrhein-Westfalen gekaufte CD mit Daten mutmaßlicher Steuerstraftäter Einnahmen von mehreren hundert Millionen Euro. Möglich seien sogar bundesweit zusätzliche Steuereinnahmen von bis zu 900 Millionen Euro, sagte der Verbandsvorsitzende Thomas Eigenthaler dem Magazin "Focus" nach einer Vorabmeldung vom Samstag. In der Deutschen Steuergewerkschaft sind Mitarbeiter aus der Steuerverwaltung organisiert.

Das Finanzministerium in Düsseldorf hatte am Freitag den Ankauf einer neuen CD mit Steuerdaten bestätigt. Die Datensätze wurden in Düsseldorf als "vielversprechend" bewertet. Sie enthielten Material zu rund 3.000 Bankkunden, die Geld in Luxemburg geparkt haben sollen. Untersuchungen liefen bereits, hieß es. Betroffen seien Kunden der Großbank HSBC in Luxemburg.

Steuerhinterzieher, die ihre Gelder in der Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg vor dem Fiskus verstecken, waren immer wieder Ziel auch durch den Kauf von Daten-CDs ausgelöster Ermittlungen geworden - ebenso wie Mitarbeiter von Banken. Erst im vergangenen September hatte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Weichen für die Einstellung von Ermittlungen unter dem Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen Mitarbeiter der Credit Suisse gestellt. Bußgelder von rund 150 Millionen Euro werden für die Bank fällig.

(Ag.)

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