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Metaller setzen Streiks aus

Hektisches Ringen Beilegung Metallerstreiks
(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Bei "Sondierungsgesprächen" am Sonntag haben Gewerkschaft und Arbeitgeber vereinbart, dass am Montag die Kollektivvertragsverhandlungen wieder aufgenommen werden.

Wien. Ein groß angelegter Streik am Freitag, weitere verbale Eskalation am Samstag. Da gab es am Wochenende offenbar nur einen Ausweg: Im Streit um die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie mussten die Chefs ran. Sprich: die Sozialpartner-Präsidenten. Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl und ÖGB-Präsident Erich Foglar trafen also am Samstagabend in aller Diskretion mit den Chefverhandlern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammen.

Und siehe da: Sonntagabend wurden die Metallerstreiks ausgesetzt. Leitl und Foglar erreichten, dass sich die Verhandler am Sonntag ab 14 Uhr noch einmal zu außertourlichen, klärenden Gesprächen zusammensetzten - an einem geheimen Ort. Die Angelegenheit war höchst sensibel, man wollte nicht durch Statements gegenüber Journalisten das große Ziel vereiteln: Das da lautete: Die ursprünglich geplante Ausweitung der Streiks in dieser Woche soll verhindert werden. Die Gesprächsparteien sollen wieder an den Verhandlungstisch zurück - je früher, desto besser.

Nach siebenstündigen Gesprächen einigten sich die Kontrahenten Sonntag abend tatsächlich: Es wird nicht nur keine Ausweitung der Arbeitsniederlegung geben, vielmehr werden sogar die Streiks der Metaller ausgesetzt. Vorerst. Denn die für Donnerstag geplant gewesene reguläre nächste Verhandlungsrunde wird auf heute, Montag, vorgezogen.

Bei diesem Treffen der Vertreter von Arbeitnehmer und Arbeitgeber soll ein Ausweg aus dem Nervenkrieg gefunden werden: Die Gewerkschaft fordert, wie berichtet, 5,5 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber hatten am Donnerstag ein Plus von 3,65 Prozent sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro geboten. Daraufhin brachen die Gewerkschafter die Verhandlungen ab und verkündeten den Streik.

Eskalation am Samstag

Am Freitag legten 165.000 Arbeiter und Angestellte in rund 200 Betrieben die Arbeit nieder. Begleitet von scharfen Tönen der Gewerkschafter. „Das Ganze wird eine Streikbewegung", drohte etwa Chefverhandler Karl Proyer.

Im Laufe des Samstags eskalierte die Sache noch weiter. Die Nerven lagen ganz offensichtlich blank - jede kritische Wortspende wurde von den Gewerkschaftern scharf gekontert.

Als ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner etwa vor zu großen Lohnerhöhungen angesichts des zu erwartenden Konjunkturabschwungs warnte und meinte, die Streiks in der Metallindustrie seien verfrüht ausgerufen worden, ließ die erboste Antwort der Gewerkschaft nicht lange auf sich warten: Ein Wirtschaftsminister solle sich nicht auf die Seite der Arbeitgeber schlagen, sondern das Interesse der Gesamtwirtschaft im Auge behalten, kritisierte Wolfgang Katzian von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Angesichts der hohen Inflation müsse Mitterlehner „ein großes Interesse an einer Aufrechterhaltung der Kaufkraft der Beschäftigten" haben.

Samstagmittag war die Nervosität der Gewerkschafter noch deutlicher spürbar: Über die Austria Presse Agentur kam die Meldung, dass die Arbeitnehmerseite immer noch auf ein Gesprächsangebot der Arbeitgeber warte. Offenbar sorgte dieses Faktum für enorme Unsicherheit unter den Gewerkschaftern. Immerhin hatten sie angekündigt, am Montag zu streiken, sollte sich die Arbeitgeberseite am Wochenende nicht bewegen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Streik der Wien Energie per Montag verlautbart.

Kurze Zeit später griffen die Sozialpartner-Präsidenten Leitl und Foglar zu den Telefonhörern, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Was zu allgemein großer Erleichterung führte: Schon im November 2003 hatte sich die „Mediation" durch die Sozialpartner-Spitze nämlich als durchaus erfolgreiches Modell herausgestellt. Damals hatten Christoph Leitl und ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch den Streik bei der AUA-Belegschaft wegen eines umfassenden Sparpakets verhindert. Nach einem 31-stündigen Verhandlungsmarathon.

 

Auf einen Blick

165.000 Arbeiter und Angestellte in 200 Betrieben der Metallindustrie haben am Freitag gestreikt. Sie fordern 5,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber haben 3,65 Prozent plus eine Einmalzahlung von 200 Euro angeboten. Am Wochenende gab es hektische Bemühungen, die Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2011)