G4S schluckt ISS: Weltweit größte Servicefirma entsteht

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Am Montag verkündete der britisch-dänische Sicherheitskonzern G4S die Übernahme des Reinigungsriesen ISS. Kaufpreis beträgt ast sechs Mrd. Euro. Mehr als eine Million Menschen arbeiten nun für das Unternehmen.

Kopenhagen. Es begann vor 110 Jahren mit 20 Nachtwächtern in der Kopenhagener Vorstadt Frederiksberg, jetzt beschäftigt das Unternehmen mehr als eine Million Mitarbeiter in über 130 Ländern: Am Montag verkündete der britisch-dänische Sicherheitskonzern G4S die Übernahme des dänischen Reinigungsriesen ISS.
Der Kaufpreis beträgt 5,2 Milliarden Pfund, fast sechs Milliarden Euro, und das Resultat ist der weltweit größte Konzern im Servicebereich mit einem Umsatz von 18 Milliarden Euro.
Noch im März war ein Börsengang von ISS im letzten Augenblick wegen der Unruhe auf den Finanzmärkten abgeblasen worden. Jetzt verkaufen die Eigentümer, die Kapitalfonds EQT und Goldman Sachs Capital Partners, das vor sechs Jahren übernommene Putzunternehmen an den mittlerweile in London etablierten Konkurrenten. Das bringt den bisherigen Eignern die Hälfte der Kaufsumme in bar ein, die andere wird in G4S-Aktien entrichtet, was den Fonds einen Anteil von elf Prozent am Weltkonzern einbringt. Dänische Analysten sprechen angesichts der Marktlage von einem „sehr guten Preis“, obwohl ISS Anfang des Jahres ein noch etwas höheres Kaufangebot des Venture Fonds Apex ausgeschlagen hatte.
G4S steige zum größten integrierten Unternehmen der Sicherheits- und Servicebranche auf, sagte Konzernchef Nick Buckles. Der ISS-Aufsichtsratsvorsitzende Ole Andersen spricht von einem „industriell und kulturell guten Match“.

Gegründet als ein Unternehmen

Auch nach Ansicht von Analysten ergänzen die beiden Konzerne einander vorzüglich. ISS ist mit rund 525.000 Beschäftigten in mehr als 50 Ländern vor allem in der Reinigungsbranche und im Catering aktiv. G4S ist mit 625.000 Arbeitnehmern in 125 Ländern mit Sicherheitsaufgaben beauftragt. Das Unternehmen schützt Regierungsgebäude, Büros und Banken, Ölraffinerien und Gaswerke, Häfen und Flughäfen, betreibt Gefängnisse und bildet das Sicherheitspersonal für die Olympischen Spiele in London aus. Für ISS machen Bewachungsdienste nur noch weniger als zehn Prozent des Umsatzes aus, seit man die Sparte an den heimischen Konkurrenten Falck verkaufte, der inzwischen in der G4-Gruppe aufging.
ISS und G4S führen beide ihre Geschichte auf die 1901 gegründete „Kjøbenhavn Frederiksberg Nattevagt” zurück, die zu Beginn 20 Wächter beschäftigte. Fünf Jahre später gründete Sophus Falck den nach ihm benannten Rettungsdienst, der schon 1908 das erste Abschleppservice für Automobile einführte. Seit 1934 stellte das Unternehmen auch Putzfrauen ein.
Nach der Trennung von Falck konzentrierte sich die spätere ISS auf Büro- und Institutionsreinigung und expandierte in den Achtziger- und Neunzigerjahren zu einem weltweiten Servicekonzern.
Falck wurde 2005 mit dem in Schweden gegründeten Sicherheitsunternehmen Securitas zur Group-4-Falck-Gruppe fusioniert. Seit 2006 nennt sich das Unternehmen G4S.
Nun werden die beiden Nachfolger der Nachtwächterfirma wieder zusammengeführt.

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