Lieber faltig und klug als straff und dumm: Das gilt in der Politik ebenso wie in der Unterhaltungsmusik.
Das Fernsehen ist, wie übrigens die meisten Dinge, dann am besten, wenn es sich auf das Wesentliche beschränkt. Dieser Tage zum Beispiel konnte man in der englischen Version des arabischen Nachrichtenkanals al-Jazeera den britischen Moderator David Frost im Gespräch mit Tschechiens Außenminister Karl Fürst zu Schwarzenberg erleben. Frost kennt der Cineast aus Peter Morgans Film „Frost/Nixon“, Schwarzenberg ist dem politisch interessierten Österreicher auch kein Unbekannter. Die beiden taten das, was man als zivilisierte Zeitgenossen vor der Kamera zu tun hat, nämlich geistreich miteinander reden, und zwar so charmant nuschelnd, dass der Verdacht nicht gänzlich von uns ablassen wollte, die beiden Mitsiebziger redeten absichtlich unverständlich, damit man ihnen umso genauer zuhört (einer der ältesten Tricks für Konferenzen).
Überhaupt: Wir wollen heute ein Lob auf kluge alte Männer anstimmen! Der „Guardian“ begleitete vergangene Woche einen weiteren solchen, den britischen Popmusiker Jarvis Cocker, in seine alte Schule in Sheffield. Cocker ist zwar erst 48, aber im heutigen Showbusiness gilt einer wie er – noch dazu mit der Anmutung eines tuberkulösen Geografielehrers – als Altmetall. Das zeigt wieder einmal nur, wie dumm die stets aufgereizten Knalloballo-Dirigenten der Rundfunkstationen und Musikverlage sind, denn Cocker und seine eigentlich vor neun Jahren aufgelöste Band Pulp sind noch immer in Topform, wie wir heuer beim Lokalaugenschein auf der Isle of Wight feststellen durften. „Die Musik hat sich geändert“, sagte Cocker, „die Leute hören sie zwar noch, aber sie ist nicht mehr so zentral, sondern eher wie eine Duftkerze. Sie sorgt für die Hintergrundstimmung.“ Recht hat er. Leider.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2011)