Kunsthalle: Breite Politik-Phalanx gegen Gerald Matt

(c) Clemens Fabry
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Die Wiener Grünen wollen die Subvention für die Kunsthalle, die im November in den Gemeinderat kommt, blockieren, wenn der Kunsthallen-Direktor nicht suspendiert wird. Stadtrat Mailath wiegelt ab.

Wiens Grünen-Kultursprecher Klaus Werner-Lobo drohte am Dienstag den Subventionsantrag für die Kunsthalle Wien im Gemeinderat, der diesen November ansteht, mit seiner Fraktion zu blockieren, falls deren Direktor Gerald Matt im Amt bleibt. Nach Ansicht von Beobachtern ist dies möglich, die SPÖ dürfte kaum Unterstützung von anderen Parteien für die Kunsthalle finden, da sich in den letzten Tagen alle geschlossen und vehement für die Ablöse des Kunsthallen-Direktors Gerald Matt aussprachen.

VP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann sprach von „schwerem Schaden“ für die Kunsthalle, Heidemarie Unterreiner, freiheitliche Kultursprecherin, machte den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, Matt solle seine angeblich „mit Steuergeld behübschte Wohnung der Allgemeinheit zugänglich machen“. Die Grünen fordern Matts Suspendierung. Im Büro von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny herrscht „Verwunderung“: Matt sei kein Beamter, nur Beamte können suspendiert werden, sagte eine Sprecherin Mailaths. Im ORF-„Morgenjournal“ hatte Mailath am Dienstag erklärt, die Kunsthalle werde umstrukturiert und in eine GmbH umgewandelt, derzeit ist sie ein Verein. An eine Ablöse Matts sei nicht gedacht, weil eine Vertragsauflösung nur nach einer strafrechtlichen Verurteilung erfolgen kann. Der Vorarlberger Matt (53) ist seit 1996 im Amt, sein Vertrag läuft bis Ende 2014.

Vorwürfe gegen Matt gibt es seit Längerem, vor allem die Grünen machen gegen ihn mobil. Wolfgang Zinggl, ihr Kultursprecher im Parlament, brachte im Frühjahr drei Anzeigen gegen Matt bei der Staatsanwaltschaft ein wegen Untreue und missbräuchlicher Verwendung von Subventionen.

Reparaturarbeiten in Matts Wohnung

Das Nachrichtenmagazin „Profil“ veröffentlichte am Montag fünf eidesstattliche Erklärungen, in denen ehemalige Mitarbeiter der Kunsthalle (KH), die wegen möglicher Verleumdungsklagen anonym bleiben wollen, berichten, dass auf einer „Kostenstelle10“ private Leistungen für Matt der KH verrechnet wurden. Deren Vorstand wies die Vorwürfe zurück. Eine der eidesstattlichen Erklärungen liegt auch der „Presse“ vor.

Ein für Aufbauarbeiten von Ausstellungen zuständiger Mitarbeiter erklärt darin: „Im Zuge meines Wirkens in der Kunsthalle musste ich auch Arbeiter, die – meist freiberuflich – tätig waren, für private Aufträge von Direktor Matt abstellen. So wurden regelmäßig Matts private Möbel transportiert, Einbauten und Reparaturarbeiten an seinen Autos durchgeführt, und es wurden Umbauarbeiten in seiner Wohnung verrichtet. Diese Arbeitsleistungen wurden über den Verein Kunsthalle Wien abgerechnet und zwar über die ,Kostenstelle10‘“. Das Kontrollamt prüft derzeit die KH, wobei es bereits eine Prüfung für die Jahre 1998–2002 gab. Der KH-Vorstand hatte kritisiert, dass Vorwürfe über Medien und nicht über die zuständigen Aufsichtsorgane lanciert werden.

Wird die Blockade der Subvention (vier Mio. Euro) im Gemeinderat funktionieren? „Das muss man sich anschauen“, heißt es in Mailaths Büro. „Selbstverständlich“, bekräftigt Werner-Lobo, der sieben eidesstattliche Erklärungen las: „Die Vorwürfe sind atemberaubend. Unabhängig von rechtlichen Konsequenzen, die Gerichte zu klären haben, ist eine Weiterbeschäftigung des Kunsthallen-Chefs für die Grünen aus Gründen politischer Sauberkeit und zur Erhaltung des guten Rufs der Kunsthalle derzeit nicht tragbar. Die laut Vereinsgesetz persönlich haftenden Vorstandsmitglieder wären gut beraten, eine rasche Lösung herbeizuführen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2011)

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