Der Sessel von Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien, wackelt. Stürzt er? Die Turbulenzen dehnen sich aus.
Kunsthallen-Direktor Gerald Matt (53) hat jahrelang als Zeitgeistspezialist die Öffentlichkeit gesucht. Jetzt sucht sie ihn, er aber schweigt: Die Vorwürfe lauten, kurz gesagt, Matt habe Ressourcen und Geld der Kunsthalle für private Zwecke verwendet, z.B. für seine Wohnung. Die Vorwürfe sind zu klären, Wiens Kontrollamt will bis 2012 seinen Bericht vorlegen. Die Frage ist: Wird Matt, dessen Vertrag bis Ende 2014 läuft, die sich seit Monaten stetig ausweitenden Kontroversen überleben? Geht es nach der Wiener SPÖ, sicher.
Kulturstadtrat Mailath-Pokorny wiegelt ab und will die Kunsthalle in eine GmbH umwandeln: Das ist eine gute Idee, aber das typische Ablenkungsmanöver eines Politikers. Matts Vertrag nochmals zu verlängern, wird schwierig sein. Der Ruf des schillernden Strahlemanns aus eher konservativem Vorarlberger Bürgermilieu, der sich als kreative Speerspitze für die SP-Kultur- und Gesellschaftspolitik profiliert hat, ist angekratzt. Matt suchte oft Streit, etwa mit dem früheren MQ-Geschäftsführer und jetzigen Staatssekretär im Außenministerium Wolfgang Waldner (V). Die jetzige Kampagne gegen Matt, die von den Grünen betrieben, aber auch von VP, FP, BZÖ unterstützt wird – die nach sofortiger Ablöse Matts rufen –, ist auch ein Politikum. Nicht wenige sähen den engagierten KH-Direktor, der viele interessante Ausstellungen nach Wien gebracht hat, gern fallen. Wenn die Grünen wie beabsichtigt im November im Gemeinderat die Subvention für die Kunsthalle blockieren, wird es für die SP schwierig sein, bei einer der anderen Parteien Unterstützung zu finden.
Eines ist offenkundig von Nachteil – wie auch die Turbulenzen um den früheren KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel oder den seine Entlassung nun anfechtenden MAK-Chef Peter Noever zeigen: lange Amtszeiten von Direktoren. Davon sollte sich die Politik verabschieden. Im Übrigen: weniger mauern, für zügige Aufklärung von Vorwürfen sorgen. Das sollten die mindesten Konsequenzen der KH-Affäre sein.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2011)