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Die Karrieren der Sport-Studenten

Studium. Wer an der Uni schwitzt, wird nicht automatisch Sportlehrer. Absolventen-Nachfrage wird steigen.

Der Ball ist rund, ein Spiel dauert acht Semester und am Ende sind alle Sportlehrer. So einfach funktionierte früher die Welt auf der Wiener Schmelz und an den drei anderen Sport-Instituten in Graz, Salzburg und Innsbruck.

Heute ist alles anders: Die Karriere-Muster könnten unterschiedlicher nicht sein, Sportlehrer werden die Wenigsten: "Im Lehramt haben wir einen massiven Einbruch an Studentenzahlen", erklärt Günter Amesberger, Professor für Sportpsychologie in Salzburg. Wo landen also Sportstudenten, wenn nicht im Turnsaal?

Ully Longin, Lektorin für Sportmanagement an der Uni Wien, ist dieser Frage nachgegangen. In einer jüngst erschienenen Studie unter 230 Absolventen fand sie heraus, "dass vom Skilehrer bis zum Sportrechte-Vermarkter so ziemlich alle Möglichkeiten offen sind." Eines stehe aber fest: "Jene, die in acht Semestern ihr Studium herunter spulen, haben geringe Berufschancen. Erfahrungen zählen in der Sportbranche." Von den Studierenden wird dies offenbar beherzigt: Fast die Hälfte schaffen laut Longin den Berufseinstieg schon während ihrer Studienzeit: "Die anderen suchen durchschnittlich vier Monate nach einem Job."

Künftige Spitzensportler sitzen indes nur vereinzelt in den Hörsälen: "Die praktische Ausbildung ist so breit, dass die Zeit für das intensive Training in einer Sportart fehlt", sagt Ingo Peyker. Der Sport-Professor an der Universität Graz spricht aus eigener Erfahrung. Als Stabhochspringer nahm er 1968 an Olympia teil: "Ich musste davor noch intensiv für eine Schwimmprüfung üben, da kannst dann nicht mehr g'scheit hüpfen." Es wäre aber ohnehin falsch, wenn die Uni nur Topathleten produzierte. Peyker: "Das Studium soll ja schließlich der ganzen Gesellschaft dienen."

Dem tragen auch die Lehrpläne Rechnung. Derzeit boomen Ausbildungen im Sektor Gesundheitssport: "Sportwissenschaftler sind für dieses Feld prädestiniert", sagt Günter Amesberger: "Und der Bedarf wird weiter steigen, da in zehn Jahren die Bevölkerung noch übergewichtiger sein wird." Durch die zunehmende Professionalisierung der Vereine tun sich auch für Sportmanager gute Berufschancen auf.

Manchmal schlagen Sportstudenten Karrieren ein, die mit Ball oder Stoppuhr nichts zu tun haben. Martin Kusej, Schauspielchef der Salzburger Festspiele, jagte einst Handball und Lehramtsabschluss nach. Gerhard Muthspiel (siehe unten), heute Weltspitze am Kontrabass, glänzte früher nicht im Orchestergraben, sondern im Schwimmbecken.

"Sportstudenten sind kommunikativ, das hilft auch in anderen Berufsfeldern", sagt Ingo Peyker. Kollege Günter Amesberger ergänzt: "Sie sind auch gut im Lösen konkreter Probleme: Wer den Hallenwart überreden kann, doch noch Bälle herauszurücken, der bewältigt auch andere Aufgaben."