Heimskandal: Angebliches Mordopfer lebt

Schloss Wilhelminenberg
Schloss Wilhelminenberg(c) AP (Hans Punz)
  • Drucken

Eine ehemalige Heiminsassin will beobachtet haben, wie eine Lehrerin ein Mädchen totgeprügelt hat. Doch das Mordopfer ist damals nur in ein anderes Heim verlegt worden und lebt angeblich nach wie vor.

Nach den schweren Anschuldigungen gegen das ehemalige Wiener Kinderheim Schloss Wilhelminenberg dürfte zumindest ein Vorwurf wegen angeblichen Totschlags entkräftet sein: Eine damalige Heiminsassin hatte behauptet, in den 1950er Jahren beobachtet zu haben, wie eine Lehrerin ein Mädchen namens Franziska totgeprügelt hat. Doch das vermeintliche Mordopfer hat überlebt und ist in ein anderes Heim verlegt worden, berichtet der "Kurier". Es sei weiterhin am Leben. Bei der Staatsanwaltschaft Wien war und ist im Zusammenhang mit dem Schloss Wilhelminenberg kein Verfahren wegen Mordverdachts anhängig. "Es gibt kein Opfer", stellte Behördensprecher Thomas Vecsey am Mittwochnachmittag klar.

Der Wiener Rechtsanwalt Johannes Öhlböck, der ehemalige Zöglinge des Kinderheims vertritt, hatte gestern, Dienstag, in einer Pressekonferenz vor zahlreichen Medienvertretern erklärt, in dem Heim wären zwischen 1948 und 1953 "Kinder zu Tode gekommen".

Die ehemalige Heiminsassin hatte von schweren Prügeln für das Mädchen berichtet. Es sei dann "regungslos am Klassenboden gelegen", so der "Kurier". "Die ist ganz blass geworden. Mein Gott, wenn jemand atmet..., dann sieht man ja wie sich der Brustkorb bewegt... Da war nix", zitierte die Zeitung die Zeugin. Die Rettung sei gekommen, habe das Mädchen auf eine Trage gelegt, wobei Körper und Kopf mit einem Tuch bedeckt gewesen seien. Sie habe Franziska danach nie mehr gesehen, so die mittlerweile 69-jährige Frau.

Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt

Die daraufhin von zahlreichen Journalisten kontaktierte Anklagebehörde, die von den Vorwürfen der 69-Jährigen bereits im Sommer 2010 erfahren hatte, hielt daraufhin noch einmal in ihren Akten Nachschau und stellte am Mittwoch fest, dass die Frau in ihren damaligen Angaben von keinem dezidierten Todesfall berichtet hatte. Diese habe teilweise am eigenen Leib verspürte Misshandlungen und sexuelle Übergriffe geschildert, aber von keinem Kapitalverbrechen erzählt, so Behördensprecher Vecsey: "Ende September 2010 sind daher die Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt worden."

Die erhobenen Vorwürfe hatten sich auch gegen jene Erzieherin gerichtet, die während des Unterrichts das Mädchen namens Franziska - der Familienname ist unbekannt - geschlagen haben soll. Der namentlich bekannten Verdächtigen wurde laut Vecsey in diesem Kontext nicht unterstellt, das Kind zu Tode gebracht zu haben, weshalb auch in ihrem Fall mit Verfahrenseinstellung vorzugehen war, da die geschilderte Form der Misshandlung ebenfalls längst verjährt war.

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

MissbrauchsOpfer nach staatlicher Kommission
Wien

Missbrauchs-Opfer: Ruf nach staatlicher Kommission

Brigitte Lueger-Schuster, Klinische Psychologin an der Universität Wien, spricht mit der Presse über die Wichtigkeit einer staatlichen Kommission und die Folgestörungen bei Missbrauchsopfern.
Missbrauch ndash gezeichnet fuers
Österreich

Im Heim missbraucht: Gezeichnet fürs Leben

Geschlagen, getreten, ausgepeitscht: Franz Josef Stangl war ein Heimkind. Die grausamen Erfahrungen, die er dort gemacht hat, haben sein ganzes Leben verändert. Jetzt spricht er darüber - schonungslos und offen.
Missbrauchsvorwuerfe gegen Jugendheim Hartberg
Österreich

Missbrauchsvorwürfe gegen Jugendheim in Hartberg

Getreten, geschlagen und sexuell belästigt - ein früherer Zögling eines Jugendheimes in Hartberg erhebt schwere Vorwürfe gegen den Bürgermeister und Heimleiter Karl Pack. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Wien

Vom Horrorhaus zur Mustereinrichtung

Der "Lindenhof" der Stadt Wien im niederösterreichischen Eggenburg galt als härteste "Endstation" für schwierige Heimkinder. Heute bekommen Jugendliche dort die Chance auf eine Lehre.
Österreich

"Wir mussten wie die Marionetten funktionieren"

Es ist ein Rucksack voller Qualen, den man nie mehr los wird: Eine Salzburgerin erzählt der "Presse am Sonntag", wie das, was sie in 17 Jahren Heimunterbringung mitgemacht hat, bis heute ihr Leben überschattet.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.