Wirtschaftsbeziehungen: Die österreichischen Ausfuhren legten zwar krisenbedingt eine Verschnaufpause ein, doch als Direktinvestor spielt Österreich eine zentrale Rolle.
Wien/Sofia/Ag/Red. Zwar gehört Bulgarien nicht zu den unmittelbaren Nachbarn Österreich und liegt somit nicht im absoluten Mittelpunkt des Interesses österreichischer Unternehmen. Dennoch spielen heimische Firmen in dem Land eine relativ prominente Rolle - auch wenn die Summen, die in Bulgarien im Spiel sind, nicht die allergrößten sind. Nach Angaben der Außenhandelsstelle Sofia der WKO haben österreichische Betriebe im ersten Quartal knapp 24 Millionen Euro in Bulgarien investiert. Der Betrag ist zwar nicht groß, doch angesichts der insgesamt minimalen Geldzuflüsse ist Österreich damit einer der bedeutendsten Investoren.
Steigende Einfuhren . . .
Generell wird Bulgarien als Handelspartner Österreichs immer wichtiger. Wirtschaftsdelegierter Michael Angerer geht davon aus, dass die bulgarischen Exporte nach Österreich im laufenden Jahr den bisherigen Höchststand von 326 Millionen Euro, der im Jahr 2008 (also unmittelbar vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise) erzielt wurde, übertreffen werden. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Ausfuhren bereits auf 190 Millionen Euro - ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Allerdings bedeutet dieser Anstieg nicht unbedingt, dass Bulgarien mehr Waren nach Österreich exportiert. Ein nicht unbeträchtlicher Teil des Zuwachses ist der Tatsache geschuldet, dass Österreich vor allem bearbeitete Buntmetalle aus Bulgarien bezieht - und in diesem Bereich schlagen die international stark gestiegenen Rohstoffpreise voll durch.
. . . und fallende Exporte
Und wie steht es um die österreichischen Ausfuhren nach Bulgarien? Momentan nicht so gut, obwohl die bilaterale Handelsbilanz aus österreichischer Sicht heuer positiv bleiben dürfte. Nachdem in Bulgarien aufgrund der flauen Investitionstätigkeit (das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche rechnet für heuer mit einer steigenden Industrieproduktion, aber zugleich mit einer fallenden Kapitalbildung in Bulgarien) die Nachfrage nach Maschinen und Fahrzeugen gering ist, hat das naturgemäß Auswirkungen auf die Handelsbilanz.
Somit verwundert es nicht, dass die österreichischen Ausfuhren im ersten Halbjahr 2011 auf Jahressicht um knapp fünf Prozent auf 290 Millionen Euro geschrumpft sind und damit sogar unter dem Stand des Krisenjahres 2009 liegen. Einziger Lichtblick: Lieferungen von Chemikalien und Vormaterialien für Bulgariens exportierende Industrie steigen. Die Außenhandelsstelle in Sofia bemüht sich derzeit, auf dem bulgarischen Markt Flagge zu zeigen. Bis Jahresende sollen die Branchen Energieeffizienz und Verkehrsinfrastruktur den potenziellen Geschäftspartnern schmackhaft gemacht werden. Und genau in diesen Bereichen haben österreichische Betriebe in Bulgarien punkten können. Zuletzt ist es dem Baukonzern Alpine gelungen, einen Auftrag an Land zu ziehen. Im September unterzeichnete das Salzburger Unternehmen mit der bulgarischen Straßenbaubehörde einen Vertrag über die Sanierung einer 109 Kilometer langen Bundesstraße. Das Auftragsvolumen wurde mit 20 Millionen Euro beziffert. Und was Energie anbelangt, gehören österreichische Unternehmen wie Ecowind (das zuletzt von Europas größtem Agrarhändler BayWa übernommen wurde) zu den Pionieren im Windkraftbereich in Bulgarien.
Für die jüngsten Schlagzeilen sorgte indes die Vienna Insurance Group (VIG). Der Versicherer kündigte von genau zwei Wochen die Zusammenlegung seiner bulgarischen Tochtergesellschaften Bulstrad und Bulgarski Imoti an. Für die VIG zählt Bulgarien zu den strategischen Kernmärkten, auf dem bulgarischen Versicherungsmarkt hielt sie mit ihren Konzerngesellschaften heuer im Juni 15,4 Prozent Marktanteil und war damit die Nummer eins.