Der Herbst ist der neue Advent

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Es soll Personen geben, die Winterreifen aufstecken lassen, wenn noch Kastanien an den Bäumen hängen.

Die Raben sind gelandet. Oder die Saatkrähen. Den Unterschied möchte man sich gerne vorhüpfen lassen. Wie auch immer, am Freitag waren sie jedenfalls erstmals seit ziemlich genau sechs Monaten wieder zu hören und zu sehen. Die Vögel färben ab jetzt wieder morgens und abends für einige Minuten den Himmel über Wien schwarz. Dass sich in diesen besonderen Momenten Gabriele Tamandl (wie? Sie kennen sie nicht?!?) nachdenklich ans Fenster stellt, konnte nicht verifiziert werden (überredet: Sie ist Übergangsparteichefin der Wiener Stadtschwarzen, bis der nächste bunte Vogel oder weiß der Geier wer kommt).

Falsifiziert sollte heuer das Vorurteil werden, mit den Zurüstungen für den Winter immer um den entscheidenden Moment zu spät zu sein. Die Aufgaben für dieses Wochenende lauten also: Reifen umstecken. Pflanzen Garagenasyl gewähren. Schneeschaufel am besten in den Vorraum zwischen Rodel und Streugutsack – kein Salz! (und wenn doch, würde es kaum jemand auf diesem Weg, sehr wohl aber später auf dem Weg vor dem Haus erfahren) – Schaufel also unter die punschstandbewährte Daunenjacke stellen. Vorsorglich den Heizungstechniker anrufen. Denn spätestens wenn die Temperatur spätnachts unter null Grad fällt, pflegt verlässlich das eigentlich recht gut gepflegte Gerät auszufallen. Dann heißt es warten. Auf den Techniker. Und auf den Schnee. Und das Eis. Und die erste Punschstanderöffnung, die das Jammern über Punschstände eröffnet. Der Herbst als Warten auf die Ankunft des Winters. Der Herbst als eine Art neuer Advent. „Erlöser“ ist dann der Winter. Der uns die Sinnhaftigkeit unserer Vorkehrungen vor der Zeit beweist. Wenn wir es nützen, dieses Wochenende. Ende.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2011)

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