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Neue Erfindung: GPS-Schuhe für Alzheimer-Patienten

Symbolbild
(c) FABRY Clemens
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60 Prozent der Patienten, die an der schleichenden Zerstörung des Gehirns leiden, laufen laut Experten mindestens einmal von zu Hause weg. Durch unauffälliges satellitengestütztes System kann man sie leicht orten.

Washington/Ag. Abgängige Alzheimer-Patienten können (vorerst) in den USA künftig durch Hightech-Schuhwerk aufgespürt werden: In wenigen Tagen kommen Schuhe auf den Markt, die mit Sendern und Empfängern für das amerikanische Satellitennavigations-System „GPS“ (Global Positioning System) bestückt sind. Damit lässt sich die Position der Person bis auf wenige Meter genau ermitteln.

Die Schuhe, von denen es sowohl sportliche als auch elegantere Versionen gibt, sollen rund 300 Dollar (216 Euro) kosten, kündigte der Hersteller „GTX Corp“ an. Das Unternehmen mit Sitz Los Angeles erzeugt verschiedene Produkte mit GPS-Funktionen einschließlich der Lokalisierung von Personen. Die ersten 3000 Paar seien bereits an die Schuh-Handelsfirma „Aetrex Worldwide“ ausgeliefert worden.

Die GPS-Transmitter seien unauffällig im Absatz eingebaut, erläutert Andrew Carle von der George-Mason-Universität, der GTX und Aetrex bei der Entwicklung beriet. Mit der Software zur GPS-Ortung könne eine Art virtueller Zaun um die Wohnung des Erkrankten errichtet werden. Sobald die Person die Grenze überschreite, werde ein Alarm auf ein Handy oder einen Computer verschickt. Über Internet könnten Angehörige oder Pfleger den Vermissten lokalisieren.

 

Explodierende Patientenzahl

Alzheimer ist eine Erkrankung, die meist ab dem 65. Lebensjahr auftritt und das Gehirn schleichend zerstört; irgendwann wissen die Patienten nicht mehr, was sie tun und was um sie herum passiert. Allein in den USA gibt es mehr als fünf Millionen Alzheimer-Patienten, ihre Zahl dürfte sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Laut Carle laufen 60 Prozent der Erkrankten mindestens einmal von ihrem gewöhnlichen Aufenthaltsort weg und verirren sich. Falls man sie nicht binnen eines Tages finde, wachse die Gefahr massiv, dass sie dehydrieren oder in Unfälle verwickelt werden.

Arm- und Halsbänder mit GPS-Funktion seien laut den Entwicklern keine optimale Lösung, da die Patienten ungewohnte Gegenstände oft ablegten. Mit Alzheimer gehe nämlich oft eine Art Paranoia einher, so Carle: „Man muss das GPS vor ihnen verbergen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2011)