Zertifikate: Sichere Netze– mit kleinen Löchern

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In stagnierenden Märkten fährt man mit Zertifikaten, Schuldverschreibungen von Banke, relativ gut. Allerdings nur in solchen. Geht es zu steil bergab oder kommt es zu einer starken Erholung, zahlt man drauf.

Wien. Während man als „normaler“ Aktieninvestor auf steigende Märkte hofft, kann man sich mit Zertifikaten für jede Marktsituation rüsten, also auch für sogenannte „Seitwärtsmärkte“, in denen es lange Zeit nur leicht bergauf oder bergab geht, oder fallende Kurse. Zertifikate sind Schuldverschreibungen von Banken (ähnlich wie Anleihen). Die Rückzahlung erfolgt aber nicht immer durch laufende Zinszahlungen und Tilgung am Ende der Laufzeit, sondern oft auch nach anderen Kriterien, etwa nach der Entwicklung eines Aktienkurses oder eines Index.

Geht es klar in eine Richtung, kann man mit einem Turbozertifikat Gewinne (und Verluste) vervielfachen oder mit einem Turbo-Short-Zertifikat die Verluste in Gewinne umwandeln und vervielfachen. Dabei riskiert man aber den Totalverlust. Die meisten Anleger ziehen Sicherheit vor und setzen auf Zertifikate, bei denen man am meisten gewinnt, wenn es leicht nach unten oder oben geht– wenn sich die Kurse also kaum bewegen. Doch auch damit kann man sich verspekulieren: nämlich dann, wenn sich die Kurse stark bewegen. Das Risiko ist geringer als bei einem Turbozertifikat, ein Totalverlust ist deutlich weniger wahrscheinlich, Fallen lauern aber.

Mit folgenden Zertifikaten setzt man auf „Seitwärtsmärkte“:
Bonuszertifikate: Mit diesen Papieren spekuliert man auf die Wertentwicklung eines Basiswerts, etwa des Eurostoxx-50. Dieser bleibt im Idealfall innerhalb einer bestimmten Bandbreite, fällt also während der mehrjährigen Laufzeit nie unter die Barriere. Bei einem Eurostoxx-Produkt der Raiffeisen Centrobank etwa darf der Index um maximal 61 Prozent fallen. Bleibt er während der vierjährigen Laufzeit stets darüber, erhält man 100 Prozent seines Einsatzes plus einen Bonus. Im konkreten Fall bekommt man jährlich 4,4 Prozent Zinsen plus Inflation und im Idealfall auch den vollen Einsatz zurück. Fällt jedoch der Eurostoxx während der Laufzeit irgendwann um mehr als 60 Prozent, erhält man nur so viel zurück, wie dem Stand des Eurostoxx am Ende der Laufzeit entspricht (maximal aber 100 Prozent).

Bei Bonuszertifikaten sollte man solche wählen, bei denen der Abstand zur Barriere groß ist. Will man vorzeitig verkaufen, ist wie bei Anleihen mit Kursverlusten zu rechnen. „Wir haben ein ähnliches Produkt im Februar aufgelegt“, sagt Philipp Arnold von der RCB. Seither fiel der Eurostoxx um etwa 30 Prozent, der Wert des Zertifikats (das auch während der Laufzeit gehandelt werden kann) gab um sechs Prozent nach.

Wer mit stark fallenden Kursen rechnet, sollte von Bonuszertifikaten die Finger lassen. „Wer an einen wirklichen Crash in der Eurozone glaubt, sollte in Sachwerte investieren“, räumt der Experte ein. Doch auch umgekehrt gilt: Wenn an den Börsen eine steile Erholung einsetzt, ist man mit dem Direktinvestment besser dran als einem Bonuszertifikat: Bei Letzterem sind die Gewinne gedeckelt.
Discountzertifikate: Bei solchen erhält man eine Aktie mit Rabatt. Für eine Andritz-Aktie bezahle man so nur 59 statt 63 Euro, rechnet André Albrecht von der Erste Group vor. Ende März des nächsten Jahres gibt es dann den Gegenwert der Aktie, maximal aber 65 Euro. Steigt die Aktie also leicht, profitiert man. Steigt sie sehr stark, hätte man sie besser direkt gekauft. Fällt sie um weniger als vier Euro, gewinnt man ebenfalls. Fällt sie stärker, fährt man zwar besser als mit der Aktie, verliert aber trotzdem.
•Für Aktienanleihen erhält man hohe Zinsen (nicht selten zehn Prozent pro Jahr) und am Ende der Laufzeit sein Geld zurück, sofern die Aktie nie unter eine bestimmte Barriere gefallen ist. Angesichts der hohen Volatilität sei so etwas derzeit kaum gefragt, berichtet Albrecht. Ein Index als Basiswert bietet in „irrationalen Märkten“ mehr Sicherheit.

Was Sie beachten sollten bei... Zertifikaten

Tipp 1

Risiko. Vor dem Erwerb eines Zertifikats sollte man alle Marktszenarien durchgehen und überlegen, ob man das Risiko von Verlusten oder geringen Gewinnen in Kauf nehmen will und kann. Bonuszertifikate bieten im Extremfall (Zusammenbruch der Eurozone) keine Sicherheit. Geht es stark nach oben, sind die Gewinne meist gedeckelt.

Tipp 2

Steuern und Kosten. Für Gewinne zahlt man beim Verkauf 25 Prozent Kapitalertragssteuer. Die Banken verdienen an der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Der Aufschlag reicht von 0,1 bis drei Prozent. Managementgebühren wie bei Fonds gibt es nicht, dafür verliert man, wenn die Bank, die das Zertifikat emittiert hat, pleitegeht.

Tipp 3

Ausstieg. Auf der Börse lassen sich Zertifikate nicht so einfach handeln. Bei Papieren mit Laufzeitbegrenzung ist der vorzeitige Ausstieg zwar meist möglich, doch muss man (ähnlich wie bei Anleihen) Kursverluste in Kauf nehmen. Sicherheitsnetze wie Garantien oder Boni gibt es oft nur dann, wenn man die Papiere bis zum Ende der Laufzeit hält.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2011)

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