Die Förderung der Verteilung von Milch an Europas Schüler durch die EU ist laut einem neuen Bericht des Europäischen Rechnungshofs teuer und wirkungslos. Diese vernichtende Kritik ist allderings nicht neu.
Brüssel. 90 Millionen Euro gibt die EU in ihrem heurigen Budget dafür aus, Milch verbilligt oder gratis an die Schüler Europas zu bringen. Doch in einem neuen Bericht stellt der Europäische Rechnungshof dieser Subvention die Note „nicht genügend“ aus. Auch 34 Jahre nach seinem Beginn finde sich kein Beleg dafür, dass das Schulmilchprogramm dazu führt, dass die Kinder gesünder essen und trinken. „Die subventionierten Erzeugnisse würden meistens entweder sowieso in die Mahlzeiten der Schulkantinen aufgenommen oder von den Empfängern wahrscheinlich auch ohne Beihilfe gekauft.“
Es beeinflusst auch die Menüs in Schulkantinen nicht. „Ich habe bei der Ausarbeitung des Speiseplans noch nie an das Schulmilchprogramm der EU gedacht“, zitiert der Bericht einen schwedischen Catering-Unternehmer.
Nicht einmal das eigentliche Ziel dieser Subventionierung des Milchkonsums, nämlich die Stabilisierung der Milchpreise, sei erreichbar. Denn mit 90 Millionen Euro könne man gerade einmal 0,28Prozent von Europas Milchmenge bezahlen.
Diese vernichtende Kritik ist nicht neu. Schon 1999 hatte die Europäische Kommission empfohlen, diese Subvention wegen Wirkungslosigkeit restlos abzuschaffen. Doch die nationalen Agrarminister verhinderten das. Erst Ende August ließ Agrarminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) verkünden, dass Österreich mehr als 700.000 Euro von der EU für das nationale Schulmilchprogramm bekomme; dazu kommen rund 200.000 Euro aus dem heimischen Budget.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2011)