USA: Und da waren es 300 Millionen

Vereinigte Staaten. Vermutlich ist ein illegaler Einwanderer der 300 Millionste Amerikaner.

Washington. Irgendwo in den USA war es am Dienstag um 7.46 Uhr Washingtoner Ortszeit so weit: Das Land überschritt die 300-Millionen-Einwohner-Marke.

Das sagt zumindest die Statistik, laut der die amerikanische Bevölkerung alle elf Sekunden um eine Person wächst. Ebenfalls laut Statistik ist es am wahrscheinlichsten, dass der 300 Millionste Amerikaner entweder das Kind einer illegalen Immigrantin ist oder jemand, der unerlaubt die Grenze in die USA überquerte.

Die Einwanderung ist Hauptgrund dafür, dass die Bevölkerung in den Vereinigten Staaten im Gegensatz zu der in Europa wächst und die 300-Millionen-Marke inoffiziell vermutlich schon vor einiger Zeit überschritten wurde. Denn die Millionen Menschen, die illegal in den USA leben, sind in der Bevölkerungsstatistik nicht ausreichend berücksichtigt: Ihre Zahl wird mit zwölf Millionen angegeben, tatsächlich dürften es aber zwischen 15 und 20 Millionen sein.

40 Prozent des Zuwachses in den USA geht auf Einwanderer zurück. Die vor allem lateinamerikanischen Zuwanderer haben auch deutlich mehr Kinder als andere Bevölkerungsschichten. Schon jetzt stellen sie mit einem Anteil von 14 Prozent die größte Minderheit. Sie werden auch maßgeblich dafür verantwortlich sein, dass die Einwohnerzahl in Nordamerika laut eines UN-Berichts bis zum Jahr 2050 um 32 Prozent steigt, während sie in Europa im selben Zeitraum um zehn Prozent sinkt.

Die USA sind nach China (1,3 Milliarden Einwohner) und Indien (1,1 Milliarden) der drittgrößte Staat der Welt. Die 100 Millionen-Marke erreichten die USA 1915.

52 Jahre später überschritt man 200 Millionen, jetzt dauerte es nur noch 39 Jahre für die 300-Millionen-Marke und im Jahr 2043 werden 400 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten leben.

1967 gab es noch Feiern, als der 200 Millionste Amerikaner geboren wurde, und Präsident Lyndon Johnson sprach in einer Pressekonferenz über die Herausforderungen der Zukunft. Laut des Magazins "Life" war auch damals der Sohn von Immigranten das "Meilenstein-Baby": Bobby Woo aus Atlanta, Kind von chinesischen Einwanderern. Diesmal überging das offizielle Amerika das Ereignis. "Wenige Wochen vor einer Wahl, bei der der Kampf gegen illegale Einwanderung ein wichtiges Thema ist, will man das nicht groß spielen", meinte William Frey, Demograph beim liberalen Brookings-Institut.

Das Bevölkerungswachstum stellt die USA vor neue Herausforderungen. Die Zahl der Einwohner mag seit 1967 um die Hälfte gestiegen sein, die Zahl der Fahrzeuge hat sich aber verdreifacht. Die Straßen rund um die Großstädte können den Verkehr kaum noch bewältigen, in Städten wie Los Angeles gehören kilometerlange Staus zum Alltag.

Ein weiteres Problem für Umwelt und Ressourcen ist die Zersiedelung und die Verdoppelung der Zahl der Haushalte seit 1967. Die Anteil der Single-Haushalte stieg sogar von 16 auf 27 Prozent. Schon jetzt sind die USA für ein Viertel des Energieverbrauchs der Welt verantwortlich und der größte Verursacher von Kohlendioxid. "Es ist nicht der Bevölkerungszuwachs, der uns Probleme macht", urteilte Demograph Frey, "sondern der Konsum."

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