Preisdruck bremst Peugeot aus

(c) FABRY Clemens
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Der französische Autohersteller gibt eine Gewinnwarnung aus und will jede zehnte Stelle streichen. Konkurrent VW dürfte heuer zum weltgrößten Autobauer aufsteigen.

Paris/New york/Reuters/Bloomberg/Red. Der zunehmende Preisdruck in Europa setzt dem französischen Autohersteller Peugeot schwer zu. Nun gab das Unternehmen eine Gewinnwarnung aus: Im Bereich Automotive erwarte man nur noch ein Ergebnis „an der Gewinnschwelle“, hieß es. Davor war man von einem „deutlichen Gewinn“ ausgegangen. Nun setzt Peugeot den Rotstift an und streicht zehn Prozent der Stellen.

Konkrete Zahlen wurden nicht genannt, nur, dass im kommenden Jahr 800 Mio. Euro eingespart werden sollen, und zwar zusätzlich zu dem schon beschlossenen Programm, das die Kosten jährlich um 1,1 Mrd. Euro senken soll. Von den Streichungen sollen vor allem Subunternehmer und Zeitarbeiter betroffen sein. In Summe beschäftigt Peugeot jetzt 186.000 Mitarbeiter. Die Aktie von PSA Peugeot Citroën rutschte nach dieser Nachricht deutlich ab, erholte sich dann aber. Seit Jahresbeginn hat sie um 41 Prozent nachgegeben.

Analysten enttäuscht

Im dritten Quartal fiel der Umsatz im Automobilgeschäft um 1,6 Prozent auf 9,31 Mrd. Euro. Im Konzern gab es dank der Zuliefertochter Faurecia ein Plus von 3,5 Prozent auf 13,45 Mrd. Euro. Auch Analysten reagierten wenig begeistert auf die neuen Zahlen: Silvia-Quandt-Experte Albrecht Denninghoff senkte seine Empfehlung von „Kaufen“ auf „Halten“.

Immerhin kam Peugeot bei der angestrebten Internationalisierung weiter: 41 Prozent der Verkäufe im dritten Quartal entfielen auf Länder außerhalb Europas. Doch auch Erzrivale VW profitiert von der Nachfrage aus Schwellenländern. VW dürfte heuer um 20Prozent mehr Fahrzeuge in China und um 50Prozent mehr Autos in Indien absetzen als im Vorjahr, wie eine Prognose des Marktforschers J.D. Powerand Associates zeigt.

VW hat die Nase vorn

Von Bloomberg befragte Analysten glauben, dass die Wolfsburger heuer 8,1 Millionen Fahrzeuge verkaufen, was einem Plus von 13 Prozent entspräche. Damit dürfte Volkswagen zum weltgrößten Autohersteller aufsteigen. Auf Platz zwei soll General Motors mit 7,55 Millionen Fahrzeugen landen (plus acht Prozent). Bei Toyota dürfte der Absatz dagegen um neun Prozent auf 7,27 Millionen Fahrzeuge zurückgehen.

„Das Wachstum in China, Europa und den USA trägt entscheidend zur Expansion von VW bei. Aber sie profitieren offenbar auch von Toyotas Pech“, sagte Daniel Schwarz, Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt. Nach der Erdbebenkatastrophe im März hatte das Unternehmen schwere Produktionsausfälle hinnehmen müssen. Schwarz glaubt, dass der Pkw-Absatz in Japan heuer um ein Fünftel schrumpfen könnte. Im nächsten Jahr dürfte er aber wieder um ein Viertel zulegen.

Und so könnte es schon 2012 mit dem Spitzenplatz für VW wieder vorbei sein, glauben die Marktforscher von IHS Automotive. Toyota soll 8,4 Millionen Autos absetzen, um 500.000 mehr als VW. Die Experten von J.D. Power gehen dagegen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus, bei dem VW letztlich knapp die Nase vorn haben und um 50.000 Autos mehr als die japanischen Rivalen absetzen sollte.

Anleger stoßen Autoaktien ab

Wie auch andere Hersteller hatte VW zuletzt verstärkt auf Schwellenländer gesetzt, da in den Industriestaaten kaum noch ein Wachstum möglich ist. China ist schon jetzt der weltgrößte Automarkt mit einem Jahresabsatz von 18 Millionen Fahrzeugen. Im nächsten Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Wirtschaftswachstum von 9,5 Prozent, sechsmal so stark wie in Europa und den USA.

Die Angst vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft hat indes auch den deutschen Autoaktien zugesetzt: Die VW-Aktie gab seit Jahresbeginn um 5,3 Prozent, jene von BMW um vier Prozent und jene von Daimler um 26 Prozent nach. Damit hielten sie sich besser als PSA Peugeot Citroën (minus 41 Prozent), aber auch als die amerikanische Konkurrenz: Die Aktie von Ford gab seit Jahresbeginn um 28 Prozent nach, aus der Sicht eines Euro-Anlegers betrug der Verlust 30 Prozent. Mit der General-Motors-Aktie verloren Dollaranleger seit Jahresbeginn 33 Prozent, bei Euro-Investoren waren es 35 Prozent.

Auf einen Blick

Der Autohersteller Peugeotwill zehn Prozent seiner Stellen streichen und 800 Mio. Euro einsparen. Vor allem in Europa leidet das Unternehmen unter dem starken Preisdruck. Dem Wolfsburger Erzrivalen VW geht es dagegen vergleichsweise gut. Das Unternehmen dürfte heuer zum weltgrößten Autohersteller vor General Motors und Toyota avancieren. Bereits im nächsten Jahr könnte sich das aber schon wieder ändern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2011)

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