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Franz Ringel, Meister des schwarzen Humors, ist tot

Kuenstler Franz Ringel
(c) APA (WOLFGANG HUBER-LANG)
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Der Maler Franz Ringel, in Worten so gewaltig wie in Bildern, ist gestorben. Seine subjektiven „Wirklichkeiten" korrelierten mit Österreichs dunkler Dichtkunst.

Skurril, grotesk, böse, abgründig sind Franz Ringels Bilder, aber auch heiter in ihrem schwarzen Humor. In ihnen steckt viel von der tragikomischen österreichischen Poesie, von Thomas Bernhard bis H. C. Artmann. Eine politische Tendenz ist nicht auszumachen, wiewohl die Dumpfheit des Nachkriegs-Österreich, die sich stark in Kunst- und Avantgarde-Feindlichkeit äußerte, für die Entwicklung von Ringels Bildsprache gewiss eine Rolle gespielt hat.

Wichtiger aber war wohl eine Art grimmiger Weltschmerz, ein Grant, den es offenkundig nicht nur in Wien, sondern auch in Graz gibt. Dort wurde Franz Ringel 1940 geboren, ein Kriegskind also, der Typus neigt, speziell wenn er Künstler ist, zu allumfassender Skepsis, was nette Eigenschaften des Menschengeschlechts an sich betrifft.

Visionen aus der Antike und der Seele

Vor langer Zeit, als das Reden über Kunst noch nicht so allgemein üblich war wie heute, wurde Ringel einmal von einem beflissenen Journalisten und Kunst-Spezialisten im Radio nach den Motiven seiner Arbeit befragt: „Herr Ringel, was hat Sie zur Malerei gebracht, was interessiert Sie daran, was ist für Sie das Wichtigste, usw., usf.?" Ringel brachte den armen Mann zur Verzweiflung, denn er sagte stets nur ein Wort: „Tutteln."

Sehr befreundet war er mit Wolfgang Bauer (1941-2005), aber auch mit Joe Berger (1939-1991), die drei hatten einen ähnlichen Witz, kräftig gewürzt mit Aktionismus. Das Lautmalerische, das aus der Mundart stammte, übersetzt sich in die bunten, bizarren Formen, die Ringel auf die Leinwand brachte. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Graz studierte er an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien (heute Universität) und an der Akademie der bildenden Künste. Anfang der siebziger Jahre lebte er in Paris. 1968 wurde Ringel Gründungsmitglied der Gruppe „Wirklichkeiten", eine gleichnamige Ausstellung in der Wiener Secession erregte Aufsehen. Ringel bildete das Unbewusste ab und wählte Motive aus der klassischen griechischen Literatur.

Nicht nur die bildende Kunst der Nachkriegszeit beschäftigte sich nach der Kriegskatastrophe mit der (österreichischen) Seele. Innere Bilder lieferten sowohl die „Gugginger" wie die enorm erfolgreichen „Phantastischen Realisten". Dass auch Ringel zu dieser Strömung gehörte, sieht man nicht primär, seine Arbeit ist näher zur Satire und Karikatur. Der „Grantscherben" Ringel, übrigens ein häufiger Theaterbesucher und dort eine mindestens so theatrale Erscheinung wie die Bühnenfiguren, war eine Institution. Sein derbes Auftreten, die Geschichten von Wein, Weib und wenig Gesang, die über ihn kursierten, kurz: Die Person, verdunkelte teilweise das Werk, das jetzt vielleicht näher und weiter in seinen Bezügen untersucht wird.