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Sprachspaltereien: Verabschiedung auf Englisch

Von Ausländern, die gut Deutsch sprechen, können wir einiges lernen. Sie erinnern sich vielleicht an meine ungarische Freundin Zsuzsa (Susanne), der wir den Probehasen verdanken, ungarisch-deutsch für Versuchskaninchen.Er ist nicht nur sympathischer, sondern mit seinen vier Silben (und Pfoten) einfach auch viel praktischer und hat sich im Freundeskreis inzwischen durchgesetzt.

Zsuzsa war kürzlich zu Besuch in Wien – und eines Abends, wie es ihre Art ist, plötzlich verschwunden. „Entschuldige“, schreibt sie später per SMS, „dass ich mich englischerweise verabschiedet habe. Gehe schlafen, die ungarische Urlauberin.“ Sie hat ja eigentlich recht. Warum muss die Verabschiedung unbedingt auf Französisch stattfinden? Der Freundin zu Ehren könnte es künftig auch Ungarisch sein.

Zwischen Budapest und Wien wird häufig kommuniziert. E-Mails, SMS, Telefonate. Gesprochen ist das Deutsch der Freundin nahezu perfekt, geschrieben umso origineller. Als die Wienerin einmal eine Krise hat, schreibt die Budapesterin: „Das kann nicht sein! Du bist doch eine kaiserliche Powerbombe!“ Wer solches liest, ist gleich wieder auf der Höhe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2011)