Warum Bankaktien für Kurzfrist-Trader jetzt nicht die schlechteste Idee sind und VW auch in Krisenzeiten läuft und läuft. Die Finger lassen sollte man von schwer durchschaubar strukturierten Produkten.
Es war nicht der ganz große Wurf, den die EU-Regierungschefs bei ihrem Krisengipfel am Mittwoch vorgelegt haben, aber wenigstens geht etwas weiter. Darauf haben die Börsen offenbar nur gewartet: Zur Wochenmitte war Kursfeuerwerk angesagt. Besonders stark waren die Banken unterwegs. Die waren offenbar schon auf Crash-Niveau gepreist und erlebten in den vergangenen Tagen trotz anhaltender Probleme eine Erleichterungsrallye mit durchwegs zweistelligen Zuwächsen (der am Freitag aber ein wenig die Luft ausging).
Was ist davon zu halten? Und: War das jetzt die Börsenwende? Gleich zur Frage zwei: höchstwahrscheinlich nicht. Dazu sind die Unsicherheiten noch zu groß. Ein weiteres politisches Schwächezeichen im Euroraum kann sofort wieder einen Ausverkauf an den Märkten auslösen. Für langfristig orientierte Investoren (mit Anlagehorizonten von ein paar Monaten aufwärts) heißt die Faustregel für die finanzielle Gesundheit weiterhin: abwarten und zuschauen. Dass sie jetzt schon eine Zwischenrallye mit mehr als 20 Prozent Zuwachs versäumt haben, ist da kein Beinbruch: Die sind schnell wieder weg, wenn es nach Süden geht und man als Langfristanleger nicht bereit ist, seine Kurse aufmerksam zu beobachten und mit strikten Stopp-Loss-Limits zu arbeiten.
Wem kurzfristiges Handeln nicht zu mühsam ist, der kann jetzt aber durchaus noch „zuschlagen“. Die Kurse haben nach dem EU-Gipfel nämlich mit großer Wucht abgehoben und können durchaus noch ein wenig weitergetrieben werden. Das gilt besonders für die Banken, deren Kurse offenbar zu weit in den Keller getrieben worden sind (für die aus Langfristsicht aber nach wie vor „Finger weg“ gilt). Völlig klar ist, dass diese Aktien mit einem „Trailing Stopp“ versehen werden, der nach oben mitgezogen wird, solange die Gewinne laufen, aber sofort „exekutiert“ wird, wenn der Markt dreht. Ohne Gewinnabsicherung ist investieren derzeit ein finanzielles Hasardspiel.
Allerdings sollte man auch ein wenig auf die Charts blicken. Der deutsche DAX (der ziemlich trendbestimmend für den österreichischen ATX ist) hat sich schon sehr nahe an einen heftigen charttechnischen Widerstand, der in der Gegend von 6400 Punkten verläuft, herangearbeitet. Durchbricht er den nachhaltig (auf Schlusskursbasis), dann steht einem weiteren Anstieg nichts im Wege. Prallt er nachhaltig ab, dann wird es schnell wieder haarig. Unter 6400 Punkten steckt der DAX jedenfalls in einem übergeordneten Abwärtstrend.
Womit kann man in einem derartigen Marktumfeld reüssieren? Schwer zu sagen. Bei einem kurzfristigen Anlagehorizont müssen auch die Anlageentscheidungen sehr kurzfristig getroffen werden.
Am besten dafür eignet sich die Charttechnik, aber natürlich haben fundamental gut aufgestellte Unternehmen in einem derartigen Umfeld auch hervorragende Chancen, den Rest der Meute zu schlagen. Etwa Volkswagen, dessen Vorzugsaktie (ISIN DE0007664039) am Donnerstag nach sehr guten Quartalszahlen geradezu explodiert ist.
Natürlich kann sich auch VW nicht vom allgemeinen Aktienmarktklima abkoppeln. Aber das Papier hat Potenzial nach oben und ist bei Rückschlägen durch seine guten Fundamentaldaten gegen zu starke Abstürze relativ komfortabel abgesichert.
Deutschen Analysten gefällt derzeit auch der Agrarkonzern DWS Saat(ISIN DE0007074007) sehr gut. Das Unternehmen weist ein konstantes Gewinnwachstum auf, das Kurspotenzial sehen Analysten kurzfristig bei rund 15 Prozent. Für Zocker mit starken Nerven könnten auch Deutsche Bank(ISIN DE0005140008) und Commerzbank(ISIN DE0008032004) einen Einsatz wert sein. Die beiden Banken haben kursmäßig einiges aufzuholen, sind allerdings wirklich nur für Kurzfristinvestments interessant. Denn die Bankenprobleme sind weiter ungelöst. Jede schlechte Nachricht kann da sehr schnell sehr scharfe Kursrückgänge auslösen, für die man mit Stopps gewappnet sein sollte.
Die Finger lassen sollte man von schwer durchschaubar strukturierten Produkten. Nach Angaben des deutschen Börsemagazins „Börse Online“ haben in Deutschland seit Beginn der Börsenkorrektur im August 77.000 sogenannte Bonuszertifikate ihre „Sicherheitsbarriere“ durchbrochen – und Anlegern damit herbe Verluste beschert. Da gaukelt der Ausdruck „Bonus“ wohl eine falsche Sicherheit vor.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2011)