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Musikverein: Detailverliebte Wiener Symphoniker

Musikverein Detailverliebte Wiener Symphoniker
Andris Nelsons(c) EPA (DAVID EBENER)
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Andris Nelsons und die Symphoniker musizierten Mahlers Erste und begleiteten Leif Ove Andsnes beim ersten Beethoven-Klavierkonzert.

Voraussetzung für eine Karriere sind Talent, ausdauernder Fleiß – und entsprechende Förderer. Über all das verfügt der 1978 in Riga geborene Andris Nelsons. Von dort kommt auch sein Mentor, Mariss Jansons. Ihm verdankt der Meisterschüler, dass er sich diese Saison im Wiener Musikverein mit jenen beiden Orchestern präsentieren kann, dessen Chef sein einstiger Lehrer Jansons ist: dem Concertgebouw Orchester Amsterdam (Ende November) und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (April 2012).

Ende März wird man überdies Andris Nelsons' Qualitäten als Orchestererzieher beurteilen können, dann kommt der gebürtige Lette nämlich für zwei Abende mit dem City of Birmingham Orchestra, dessen Chefdirigent er seit 2008 ist.

Begonnen hat Nelsons seine Wien-Auftritte vergangenes Wochenende an der Spitze der Wiener Symphoniker. Ausgewählt hatte er dafür nicht nur ihrer Popularität wegen heikle Werke: Beethovens erstes Klavierkonzert – der Entstehung nach, bezieht man für die Chronologie noch ein Jugendwerk mit ein, sein drittes – und Gustav Mahlers Erste Symphonie.

 

Durchwachsene Resultate

Als durchwachsen muss man die Resultate bezeichnen: Bei Beethoven etwa überzeugten dank kluger Tempodramaturgie und immer wieder subtiler Dynamik die ersten beiden Sätze mehr als das Rondofinale. Dort ließ sich der Dirigent von dessen Rhythmus zu nicht immer passenden dynamischen Ausbrüchen hinreißen.

Unterschiedlich auch die Präzision, wenngleich die stimmige Aufführung über den grundsätzlichen interpretatorischen Gleichklang vom Dirigenten und Solisten keine Zweifel ließ. Denn auch Leif Ove Andsnes setzte auf eine unprätentiöse, gradlinige Darstellung seines Parts. Auch wartete er mit Innigkeit im mittleren Adagio auf und startete impulsiv in den von ihm brillant phrasierten Finalsatz.

Welche Anschlagsvaleurs dem exzellenten Norweger noch zur Verfügung stehen, hat er in der Zugabe demonstriert – mit einer sensibel-überlegten Darstellung von Chopins romanzenhafter As-Dur-Prélude.

„Stürmisch bewegt“, wie betitelt, gelang das Finale von Gustav Mahlers Erster Symphonie. Es verfehlte seinen Effekt so wenig wie das mit viel Verständnis für dessen zahlreichen ironischen Brüche inszenierte Scherzo.

Die beiden anderen Sätze litten zum Teil an zu langsamen Tempi, zu aufgesetzten Akzentuierungen, vor allem an einer Detailverliebtheit, welche die zusammenhängenden großen Bögen nur ansatzweise entstehen ließ.
Übertragung in Ö1: 27. November, 11.03 Uhr

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2011)