Griechischer Vorstoß schockt die Finanzmärkte

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Griechenlands Ministerpräsident Papandreou will in seinem Land ein Referendum durchführen. Marktteilnehmer geraten in Panik und stoßen massenweise Aktien ab. Besonders Finanztitel waren betroffen.

WIEN/ag./Red. Der Vorstoß des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, sein Volk über Sparmaßnahmen entscheiden zu lassen, hat die Anleger am Dienstag in Panik versetzt und die Finanzmärkte auf Talfahrt geschickt.

Der deutsche Leitindex DAX knickte zeitweise um bis sechs Prozent ein, der Londoner Leitindex rutschte um gut zwei Prozent ab. Auch die Börse in Paris stand mit Minus fünf Prozent deutlich unter Abgabedruck. Der Handelsplatz in Wien war feiertagsbedingt geschlossen. „Nach der Euphorie beim Euro-Gipfel in der Vorwoche ist das eine kalte Dusche und bringt weitere Ungewissheit“, sagt Edmund Shing von Barclays in London.

Auch die Börsen in den USA goutierten den griechischen Vorstoß nicht. Schon am Montag hatten Papandreous Aussagen zu Verlusten an der Wall Street geführt. Ein Händler äußerte seine Sorgen, dass das Referendum dem kürzlich beschlossenen Rettungsplan für Griechenland den Boden unter den Füßen wegziehen könne. Der Euro verlor gegenüber dem Dollar denn auch und fiel auf rund 1,37 Dollar für einen Euro. Das ist ein Minus von 1,1 Prozent. Schon am Montag gab der Kurs um gut zwei Prozent nach.

Wie nervös die Anleger tatsächlich sind, zeigen die Volatilitätssindizes VDAX und VStocks. Beide schossen jeweils im zweistelligen Prozentbereich nach oben und lagen wieder auf jenem Niveau, dass sie vor dem EU-Gipfel der Vorwoche erreicht hatten.

Banken im Fokus

Besonders hart getroffen hat es am Dienstag Finanztitel. Sie standen unter enormen Verkaufsdruck. Es sind in erster Linie Finanzhäuser, die zu den größten Gläubigern des hoch verschuldeten Staates Griechenland zählen. Des weiteren hatten sich die Banken auf dem EU-Gipfel in der Vorwoche dazu bereit erklärt, auf 50 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten.

Aktien wie die der in Griechenland stark engagierten französischen Banken Société Générale gaben um rund 16 Prozent nach. Die Papiere von BNP Paribas verloren 12,5 Prozent. In Deutschland zählten Commerzbank und Deutsche Bank mit neun und acht Prozent zu den großen Verlieren. Besonders Banktitel waren in den vergangenen Wochen hart geprügelt worden. Belastend wikten sich sowohl die Schuldenkrise, als auch neue Eigenkapitalvorschriften aus. Allein der europäische Branchenindex Stoxx Banks 600 hat seit Jahresbeginn rund 33 Prozent eingebüßt. Noch im Oktober hatte es zeitweise passable Anstiege gegeben. Generell haben Aktien im vergangenen Monat so stark wie seit 2009 nicht mehr zugelegt. Und dabei Anleihen aber auch Rohstoffe deutlich geschlagen. Damit ist es nun aber vorläufig vorbei: Weil Aktien-Investitionen als überaus risikoreich eingestuft werden, suchten Anleger am Dienstag wieder einmal ihr Heil in sicheren Häfen.

Italienische Renditen steigen

Besonders die in Europa als richtungsweisend geltenden deutschen Staatsanleihen waren gesucht. Die Renditen zehnjähriger deutscher Anleihen sanken auf 1,7 Prozent und waren damit so stark gefallen wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Anders sah die Lage in den europäischen Peripheriestaaten aus. Die Risikoaufschläge italienischer Anleihen markierten gegenüber deutschen Bundesanleihen einem neuen Rekord seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Zehnjährige italienische Schuldverschreibungen warfen Renditen von 6,1 Prozent ab. Angaben aus Händlerkreisen zufolge, soll die Europäische Zentralbank Papiere der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone gekauft haben um einen weiteren Anstieg der Renditen zu verhindern.

Die Regierung in Rom bemühte sich unterdessen zu betonten, Spar-und Konjunkturmaßnahmen so bald wie möglich umzusetzen. Auf dem dieswöchigen G-20 Gipfel in Cannes will Ministerpräsident Silvio Berlusconi entsprechende Maßnahmen präsentieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2011)

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