Für Verschwörungstheoretiker ein Muss: das UFO-Mekka in New Mexico.
ROSWELL. Es war ein sonniger Tag in Roswell, als angeblich das UFO abstürzte. Farmer William "Mack" Brazel fand das Wrack Anfang Juli 1947, ein Armee-Colonel bestätigte den sensationellen Fund, doch dann kam das Militär, riegelte die Stadt ab, beschlagnahmte die Überreste und erklärte, nicht ein UFO, sondern ein Wetterballon sei abgestürzt. Seither gehört Roswell zum Standardrepertoire jedes Verschwörungstheoretikers.
Wenn man die Stadt etwa vier Autostunden südöstlich von Albuquerque besucht, dann stellt sich vor allem eine Frage: Was, in aller Welt, haben Außerirdische hier zu suchen gehabt? Es gibt wahrlich interessantere und schönere Gegenden in den USA. Das Einzige, das die kleine Stadt im US-Bundesstaat New Mexico auszeichnet, ist ein Armee-Stützpunkt und der Umstand, dass die Schauspielerin Demi Moore hier geboren wurde.
Mittlerweile ist der Stützpunkt geschlossen und Demi Moore lebt auch nicht mehr hier. Nicht einmal das UFO und die angeblich beim Absturz ums Leben gekommenen Außerirdischen sind geblieben: Die werden, weiß jeder "Ufologe", im berühmt-berüchtigten Militärareal "Area 51" in Nevada aufbewahrt.
Geblieben ist Roswell der Ruhm, die einzige Stadt der Welt zu sein, in die angeblich Lebewesen von einem anderen Stern Fuß gesetzt haben, auch wenn sie es nicht überlebten. Und so pilgern jahrein, jahraus tausende Touristen in das Mekka aller UFO-Gläubigen. Alles hier spielt auf den Zwischenfall an: "McDonalds" ist in Form einer fliegenden Untertasse gebaut; "Aliens welcome", steht auf dem Schild eines anderen Fast-Food-Ladens. Doch das Interesse an Roswell und seinen Außerirdischen schwindet.
"Es war schon mehr los", sagt Corry Amader, die eines der acht Souvenirgeschäfte der Stadt betreibt. "Vor allem aus Japan und Australien kommen nicht mehr so viele Besucher. Sogar aus den USA waren heuer weniger hier." Ein Laden musste bereits aufgeben: Nur noch ein kleiner Stoff-Außerirdischer steht in dem leeren Geschäft auf der Hauptstraße, das einmal das "Alien Spacecraft Center" war.
Im "International UFO Museum and Research Center" auf der Main Street, das sich ganz dem Zwischenfall vor 58 Jahren widmet, hat man harte Zahlen. 2004 zählte man in der unbestritten größten Attraktion von Roswell 177.246 Besucher. Heuer waren es bis Mitte Dezember nur 145.741.
"Es kommt in Wellen", berichtet Bridget Ceccacci, die die Bibliothek des Museums mit fast 4000 Büchern und 50.000 Zeitungsausschnitten verwaltet. "Immer, wenn etwas passiert, steigt das Interesse." Etwa, wenn Roswell wieder einmal in einem Hollywood-Film eine geheimnisvolle Rolle spielt, wie in "Independence Day" oder in der TV-Serie "Akte X".
Dass auch die Aliens das Interesse verloren haben, da man kaum noch von UFO-Sichtungen hört, kann Ceccacci nicht nachvollziehen. "Weltweit gibt es täglich 400 unerklärliche Erscheinungen." Viele katalogisiert sie in einer Datenbank. Darunter auch sechs aus Österreich, die jüngsten in Wien-Hietzing. Ein gewisser Herbert F. C. will im Jänner 2002 vier UFOs gesehen haben, die über sein Haus hinwegsausten. Im Juni des gleichen Jahres berichten Michael N. und sein Freund Steve von 20 gelb-orangen Lichtobjekten, die erst in der Luft standen und dann "sehr schnell" entschwebten.
Die zwei Meldungen veranlassten den Bibliothekar in Roswell zur Notiz in der Datenbank: "Gibt es eine Art UFO-Parkgarage unter der Erde von Hietzing?"
Einen Straßenzug weiter schwärmt Richard Hesse, Besitzer von "Starchild", vom Jahr 1997, als er den einzigen Souvenirladen der Stadt betrieb. Damals widmeten die US-Medien dem 50-Jahr-Jubiläum des Zwischenfalls große Geschichten, Zehntausende strömten in die Stadt, kauften fast seinen ganzen Laden leer. Obwohl er mittlerweile massive Konkurrenz hat, beklagt er sich nicht: "Es ist noch immer genug zum Leben."
Das heißt freilich nicht viel: Das Pro-Kopf-Einkommen in Roswell liegt bei weniger als 25.000 Dollar pro Jahr. Weil das Leben hier so billig ist, ziehen immer mehr Pensionisten in die Stadt. Nur Touristen zieht es immer weniger her, und schon gar keine Außerirdischen mehr.