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Iran warnt Israel vor „Apokalypse“

(c) EPA (OLIVER WEIKEN)
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Israels Regierung diskutiert einen Angriff auf Irans Atomanlagen, und auch London bereitet laut „Guardian“ Militäraktionen vor. Teheran zeigt sich aber relativ unbeeindruckt.

Jerusalem. Über Monate haben die israelischen Medien keine Zeile zum Thema Iran publiziert, plötzlich scheint ein Krieg ganz nah. Im Großraum Tel Aviv gingen am Donnerstag in der Früh die Sirenen los, die einen Raketenangriff simulieren sollten. Israels Luftwaffe trainierte am Himmel über Sardinien das Auftanken in der Luft sowie die Navigation in fremden Gefilden. An der Küste vor einem Kibbuz wurde eine ballistische Rakete zu Probezwecken abgeschossen. Zwar hieß es, all das habe nichts mit dem Iran zu tun. Tatsache ist aber, dass Premier Benjamin Netanjahu um eine Mehrheit im Kabinett für den Präventivschlag gegen den Iran und sein Atomprogramm ringt. Einer gestern von der Zeitung „Haaretz“ veröffentlichten Umfrage zufolge, hätte der Regierungschef dafür eine knappe Mehrheit des Volkes hinter sich: 41 Prozent unterstützen einen Angriff, 39 sind dagegen.

 

Kriegerische Signale

Die Antwort des Iran auf die jüngsten Drohgebärden kam auch prompt. Teheran drohte Israel am Donnerstag im Fall einer Attacke mit Konsequenzen in „apokalyptischem Ausmaß“. Israel seien die militärischen Fähigkeiten des Iran gut bekannt, die iranische Raketenindustrie sei eine der besten der Welt, hieß es in der Warnung, die auf der Homepage des iranischen Staatsfernsehens veröffentlicht wurde.

Doch nicht nur in Jerusalem baut man an der Drohkulisse gegen Teheran. Berichten des Londoner „Guardian“ zufolge, bereiten sich auch die britischen Truppen auf einen Angriff auf iranische Atomanlagen vor. Die Zeitung berichtet, dass es „Teheran bis Ende 2012“ schaffen wird, die Anlagen im Bunker zu verstecken, was wiederum „US-Präsident Barack Obama dazu zwingen könnte, noch vor den Wahlen über einen Militärschlag zu entscheiden“.

In Israel streiten sich die Politiker in diesen Tagen unterdessen weniger über das Für und Wider eines Angriffs als darüber, wer an die Medien hat durchsickern lassen, dass es überhaupt dazu kommen könnte. Denn die Möglichkeit eines Krieges steht seit Jahren im Raum. Schon der damalige Premier Ehud Olmert hat Teheran vor Jahren vor einer Fortsetzung des Atomprogramms gewarnt und mit einem Angriff gedroht.

Die in der jetzigen Regierung geführten Diskussionen wären vermutlich nicht an die Öffentlichkeit geraten, hätte man das ernsthaft zu vermeiden versucht. Die kriegerischen Signale, so vermutet Amos Harel von „Haaretz“, gelten „nicht dem heimischen Publikum, sondern Wien und New York, London und Washington“. Harel bringt den Medienrummel mit dem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien über das iranische Atomforschungsprogramm in Verbindung, der in der kommenden Woche veröffentlicht werden und Aufschluss über die Menge des angereicherten Urans geben soll und darüber, ob mit Sprengköpfen experimentiert wird.

 

Ex-Mossad-Chef: „Dumme Idee“

Während Premier Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak für einen Angriff eintreten, steigen Armee- und Mossad-Chefs vorläufig auf die Bremse. Selbst der für seine harte Hand berüchtigte Ex-Mossad-Chef Meir Dagan nannte den möglichen Präventivschlag eine „dumme Idee“. Israels offizielle Position war stets, zunächst den Sanktionen eine Chance zu geben. Zudem hat man offenbar auf Sabotageaktionen im Iran gesetzt.

Auf einen Blick

Drohgebärden gegen den Iran.In Israel ist bereits ein Streit über einen möglichen Militärschlag gegen den Iran entbrannt. Der „Guardian“ berichtet, dass sich auch die britische Armee schon auf einen Angriff auf Ziele im Iran vorbereite.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2011)