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Plus sechs Prozent: "Monster-Anstieg" bei CO2-Ausstoß

CO2Ausstoss stark gestiegen zuvor
Symbolbild(c) REUTERS (TIM WIMBORNE)
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Ein US-Bericht hat den bisher größten Anstieg bei Kohlendioxid-Emissionen gemessen. Schuld sind vor allem Kohlekraftwerke. Umweltschützer kritisieren, dass diese mit Klimaschutzgeld gefördert werden.

Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid ist im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie nie zuvor. Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des US-Energieministeriums hervor. Damit wurden selbst die pessimistischsten Szenarien überboten, vor denen Experten vor vier Jahren gewarnt haben. Die Umweltorganisation Global 2000 warnte in diesem Zusammenhang vor der Finanzierung von Kohlekraftwerken mit Klimaschutzgeldern.

Dem US-Bericht zufolge hat die Welt 2010 insgesamt 512 Millionen Tonnen CO2 mehr ausgestoßen als 2009. Das entspricht einem Plus von sechs Prozent. Greff Marland, Geologe an der Appalachian State University, der  an den Berechnungen für das US-Energieministerium beteiligt war, sprach von einem "Monster-Anstieg".

"Mit am stärksten verantwortlich für den Anstieg des CO2-Ausstoßes ist die steigende Zahl von Kohlekraftwerken, vor allem in Indien und China. Insgesamt trägt die verbesserte Wirtschaftslage 2010 auch zu den steigenden Emissionen bei", so der Klimaexperte Johannes Wahlmüller. "Angesichts dieser Erkenntnis ist es ein Skandal, dass über den internationalen Handel mit CO2-Zertifikaten zunehmend auch Klimakiller wie Kohlekraftwerke finanziert werden."

Klimaschutzgeld für Kohlekraftwerke

Laut Global 2000 haben derzeit 45 Kohlekraftwerke Klimaschutzgelder aus dem UNO-Programm beantragt. Sechs dieser Anträge wurden bereits genehmigt. Diese Kraftwerke hätten Gelder aus dem UN-Klimaschutzprogramm "CDM" in Höhe von 600 Millionen Euro sowohl von Privatunternehmen als auch von EU-Regierungen erhalten. Möglich werden die Millionenzuschüsse, weil die Projektwerber laut Global 2000 angeben, ohne die Klimaschutzgelder Kraftwerke mit noch schlechteren Wirkungsgrad und höheren Emissionen zu bauen.

Gleichzeitig würden über diese Projekte CO2-Gutschriften lukriert, die Unternehmen und Staaten zum Beispiel in Europa anrechnen lassen können. "So werden nicht nur klimaschädliche Kohlekraftwerke subventioniert, sondern auch noch massenhaft CO2-Gutschriften generiert, die sich Unternehmen und Staaten für eigene Zielverfehlungen anrechnen lassen können - das ist pervers," so der Experte.

In Österreich seien zwar noch keine Fälle bekanntgeworden, in denen der Staat oder Unternehmen CO2-Zertifikate aus solch eindeutig klimaschädlichen Projekten bezogen haben, dennoch wollen die Umweltschützer Taten sehen: "Bevor auch in Österreich Fälle bekanntwerden, soll sich Umweltminister Berlakovich gleich für ein Verbot von diesen Zertifikaten einsetzen. Letztes Jahr wurden bereits fragwürdige Projekte aus dem internationalen Kohlenstoff-Markt verbannt, das muss jetzt auch mit Kohle-Projekten gelingen", forderte Wahlmüller.

(Ag./Red.)