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Wien-Stammersdorf: Ziesel müssen Baulöwen weichen

Symbolbild
(c) APA (J.STEFAN)
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Auf einem 70.000 Quadratmeter großen Areal hinter dem Heeresspital sollen 950 geförderte Wohnungen entstehen, hunderte Ziesel müssten dafür umsiedeln. Beflügelt von Steinhof bekämpfen Anrainer jetzt den Bau.

Wien. Die Ziesel in Stammersdorf beeindruckt die Aufregung um ihre Wiese wenig. Sie halten seit Wochen Winterschlaf. In wenigen Jahren werden dort, wo jetzt die kleinen Nager in ihren Bauten schlafen, voraussichtlich Bagger Keller ausheben. Auf einem 70.000 Quadratmeter großen Areal hinter dem Heeresspital sollen 950 geförderte Wohnungen entstehen.
Die rund 700 Ziesel, die dort leben, müssten weichen. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal will das verhindern und bekämpft das Bauprojekt. Schließlich darf der Lebensraum der streng geschützten Ziesel laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU nur in Ausnahmefällen bebaut werden.
Die Stadt verschreibt sich nun ebenfalls dem Schutz der Ziesel und plant „sanfte Umleitungsmaßnahmen“. Das heißt, die Nager sollen freiwillig wegziehen. Wie das gehen soll, wird derzeit im Zuge eines naturschutzrechtlichen Verfahrens erarbeitet. Absiedeln kann man Ziesel, indem man ihnen einen angrenzenden Lebensraum anbietet, der noch attraktiver ist als der bisherige. Den würden die Ziesel dann freiwillig verlassen, erklärt Ilse Hoffmann. Die Biologin (Uni Wien) hat die Ziesel in Stammersdorf erforscht, dabei wurde ein Fünf Hektar-Areal entlang des Marchfeldkanals erkundet, das sich als neuer Lebensraum eignen könnte.
In Stammersdorf lebt eine der letzten großen Zieselkolonien. Schließlich schwindet der Lebensraum der Steppenbewohner, die lange als vermeintliche Schädlinge gejagt wurden, durch die Verbauung und Veränderung der Landwirtschaft. In Wien und im angrenzenden Niederösterreich leben Schätzungen nach wenige tausend Ziesel. Man findet die kleinen Nager noch auf dem Golfplatz Süßenbrunn, an den Osthängen des Bisambergs und des Laaerbergs oder beim Umspannwerk Südost.
Die Fläche in Stammersdorf wurde 2008 auf Bauland umgewidmet. Die Bürgerinitiative kritisiert, dass das Verfahren damals im Eiltempo über die Bühne ging. Die Zieselkolonie, obwohl der Stadt seit Jahren bekannt, sei kein Thema gewesen. Der Erfolg der Bürgerinitiative am Steinhof beflügelt die Gegner des Bauprojektes in Floridsdorf. Der Wiener Tierschutzverein appelliert an Bürgermeister Michael Häupl, ein ähnliches Machtwort zu sprechen wie mit dem Baustopp am Steinhof.

Bagger kommen frühestens 2014

Auch für die Bürgerinitiative ist die einzig akzeptable Option, den Bau abzusagen. „Die Schutzzone wäre zu klein und nicht geeignet. Es gibt Pläne, die ganze Fläche zwischen Brünner Straße und Marchfeldkanal zu verbauen. Auch den Bereich, der noch nicht umgewidmet ist. Das wäre das Ende der Ziesel“, sagt Michaela Mitterholzer-Sluka von der IGL-Marchfeldkanal.
Die Bagger könnten dort frühestens in drei Jahren auffahren, heißt es aus dem Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. In drei bis sechs Monaten dürfte das umweltrechtliche Verfahren abgeschlossen sein. Dann kann das Projekt ausgeschrieben werden. Bis zum Baubeginn würden Jahre vergehen. Mehr als genug Zeit für die Ziesel, um erst einmal unbehelligt bis zum Frühling auszuschlafen.