Foto-Auktion: Mond, Morath, Marilyn

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Im Wiener Westlicht sind am 12 .November wieder Kostbarkeiten zu ersteigern: darunter Aufnahmen von Oskar Kokoschkas Alma-Fetisch, einer bizarren Puppe.

Sind die Amerikaner 1969 wirklich auf dem Mond gelandet? Oder war es ein Fake? „Beides“, sagt Fotograf Thomas Herbrich, dessen Onkel Stanley bei der Nasa gearbeitet hat und aus Schutzanzügen und Besen die berühmten Bilder vom ersten Schritt auf dem Mond hergestellt haben soll. Bei der Apollo-11-Mission wurde das Kamerakabel vergessen, nur der Ton war echt, die Bilder waren eine Fälschung. Ist diese heitere Geschichte, in allen Details auf der Homepage von Thomas Herbrich nachzulesen, wahr oder gut erfunden?

Egal. Bei der kommenden Foto- und Kamera-Auktion in der Galerie Westlicht sind jedenfalls die surrealen Aufnahmen Herbrichs zu erwerben (Schätzpreis 450–800Euro). Und unter den angebotenen Hasselblad-Kameras ist auch eine, die zwar nicht auf dem Mond war, aber wenigstens aus der Serie jener Apparate stammt, die dort zurückgeblieben sind, um Aufnahmen vom Erdtrabanten zu machen.

Dalí mit Katzen. Bleiben wir beim Fliegen: Eva Schlegel versucht das Flüchtige festzuhalten, konkret einen Menschen im freien Fall („O.T. 191 und 188“, 900–1800Euro). Bestimmt nicht begeistert waren im Zeitalter vor Erfindung des Virtuellen aus dem Computer die Katzen, die gemeinsam mit Salvador Dalí zum Abheben gezwungen wurden – von Philippe Halsman (1906–1979), Dalís „Hoffotograf“: 28Anläufe brauchte er für das Foto des schwebenden Malers und der auf einer Wasserfontäne fliegenden Katzen: Die armen Viecher. „Dalí Atomicus“ heißt das Bild (1500–3000Euro).

Das ist aber noch nicht das Sensationellste in der Auktion, die übrigens wieder Nikolaus Schauerhuber klopft, der gerade als Im-Kinsky-Geschäftsführer aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Höhepunkt sind die Aufnahmen jener Puppe, die Oskar Kokoschka 1918 nach der schmerzhaften Trennung von Alma Mahler hat anfertigen lassen: Einen lebensechten Fetisch sollte die Münchner Puppenmacherin Hermine Moos produzieren, ein anonymer Fotograf lichtete sie neben ihrer Kreation ab. Alma wäre wohl kaum begeistert gewesen von diesem üppigen, verwittert wirkenden Alter Ego, dem der gefährliche Charme des Originals absolut fehlt. Das merkte offenbar auch Kokoschka, nach einer durchzechten Nacht entsorgte er die Puppe im Müll, was anderntags die Polizei auf den Plan rief (je 5000–10.000 Euro).

Auch eine andere morbide Fotoserie ist vertreten, Bert Sterns „Letzte Sitzung“: Marilyn Monroe im „black dress“ (900–2000 Euro) oder barbusig als „Marilyn in the nude scarf“ (900–2000 Euro). Am Set von Billy Wilders „Some Like It Hot“ posierte die Diva mit Schirm – für Philippe Halsman (300–600 Euro). Arthur Miller (1915–2005) war bekanntlich mit der Monroe, länger und glücklicher aber mit der steirischen Foto-Künstlerin Inge Morath (1923–2002) verheiratet.

Morath verewigte Audrey Hepburn am Set von „The Unforgiven“ („Denen man nicht vergibt“ von John Huston, Schätzpreis 800–1800Euro), Louis Le Brocquy lichtete Morath 1954 beim Einstellen ihrer Leica ab (1000–2400 Euro) – und mit Kollegen Ernst Haas 1949 in Capri (500–1000Euro).

Intellektuellen-Pose. Das älteste Foto der Auktion stammt aus dem Jahr 1848 in Frankreich: Ein Fotograf posiert mit seinem Modell in einer intellektuellen „Inszenierung“ mit Schreibtisch, Papier, Federhalter. Das sich drastisch ändernde Selbstbild des Künstlers (Inszenierung oder Verfremdung) über die Jahrzehnte kann man beobachten, etwa bei Padhi Friebergers Selbstporträt mit blauem Kunsthaar (1200–2500 Euro), das Gesicht sieht man fast nicht mehr. Weitere Exempel: Franz Hubmanns (1914–2007) Porträts von Fritz Wotruba in seinem Atelier oder von Hans Weigel, mit zwei Brillen, einer auf der Nase, einer auf der Stirn, im Café Hawelka (500–1000Euro beziehungsweise 800–1600Euro). Hubmann lichtete auch Picasso ab, in seinem Atelier in Cannes (800–2000Euro).

Ebenfalls auf dem schmalen Grat zwischen dokumentarischer bzw. Modefotografie und bildender Kunst hat sich Helmut Newton bewegt, dessen Bilder seit seinem Tod 2004 im Preis kontinuierlich steigen – zwei sind auch in der Westlicht-Auktion: ein Vogue-Shooting (1965, bis 4500Euro) und eine Aufnahme der Schauspielerin Mira Sorvino (bis 2500Euro).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2011)

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