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Angriffspläne: Israel erhöht Druck auf Iran

Angriffsplaene Israel erhoeht Druck
(c) REUTERS (MORTEZA NIKOUBAZL)
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Ein mit Spannung erwarteter neuer IAEA-Bericht soll den Verdacht erhärten, dass Teheran an einer Atombombe bastelt. Jerusalem setzt mit immer deutlicheren Drohungen den Westen unter Zugzwang.

Wien/Reuters/Red. Der Bericht wird mit Hochspannung erwartet. Denn er soll – so westliche Diplomaten – beinhalten, dass Irans Nuklearprogramm eine militärische Komponente hat. Mitte der Woche wird die Internationale Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) den Report ihren Mitgliedsländern präsentieren. Laut der Nachrichtenagentur Reuters dürfte der Bericht zwar nicht direkt den „rauchenden Colt“, also den definitiven Beweis für eine Atombombe des iranischen Regimes, enthalten. Aber die Verdachtsmomente gegen Teheran würden sich deutlich verstärken. Einer dieser Hinweise: Teheran soll einen gewaltigen Stahlcontainer errichtet haben, um damit Tests mit hochbrisantem Sprengstoff durchzuführen, der zur Zündung von Atomwaffen benötigt wird. Zudem habe der Iran ein Computermodell eines Nuklearsprengkopfes entwickelt.

 

„Angriff wird wahrscheinlicher“

Je näher der Termin für die Veröffentlichung des IAEA-Berichtes rückt, desto lauter wird auch das Säbelrasseln: Israels Führung diskutiert bereits seit Tagen in aller Öffentlichkeit über einen Angriff auf Irans Atomanlagen – eine Attacke, an der sich auch Streitkräfte westlicher Staaten beteiligen könnten. Am Wochenende verstärkte dann Israels Präsident Shimon Peres diese Drohungen: Ein Angriff auf den Iran sei derzeit wahrscheinlicher als eine diplomatische Lösung, sagte Peres in einem Interview mit der Zeitung „Israel Hayom“.

Vergangene Woche hatte Israel bereits umfangreiche Manöver abgehalten: Die Streitkräfte testeten eine Rakete des Typs Jericho-3, die auch Atombomben tragen kann. Und in Tel Aviv wurden Übungen für den Fall massiver Raketenangriffe durchgeführt. Der Iran verfügt über ein großes Arsenal an ballistischen Raketen, die er als Vergeltung für eine Attacke auf seine Nuklearanlagen auf Israel abfeuern könnte. Zudem verfügt auch die schiitische Miliz Hisbollah im Libanon über Raketen. Die Hisbollah gilt als Verbündete Teherans und hat bereits während des Libanon-Krieges 2006 israelische Städte ins Visier genommen.

 

Paris warnt vor Militärschlag

Wie weit der Iran bei Vergeltungsaktionen tatsächlich zu gehen wagt, ist unklar. Man weiß auch in Teheran nur zu gut, dass ein zu intensiver Raketenangriff auf Großstädte wie Tel Aviv einen massiven Gegenschlag Israels und auch der USA nach sich ziehen könnte.

Die Drohkulisse, an der Israels Regierung derzeit baut, soll freilich nicht nur den Iran beeindrucken, sondern vielmehr die USA und die Europäer. Mit der Warnung, notfalls die iranischen Atomanlagen im Alleingang anzugreifen, will die Regierung in Jerusalem auch Druck auf die Verbündeten aufbauen. Sie erwartet schon seit Längerem ein härteres Vorgehen gegen Teheran. Der neue Bericht der IAEA soll die Grundlage dafür liefern.

Wegen seines Nuklearprogramms wurden bereits mehrmals Strafmaßnahmen gegen den Iran verhängt – offenbar mit geringem Erfolg. Frankreichs Außenminister Alain Juppe meinte am Sonntag, man müsse notfalls die Sanktionen gegen Teheran weiter verschärfen. Vor einem Militärschlag warnte er: Der würde zu einer „völlig destabilisierenden Lage in der Region“ führen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2011)