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Olympus gesteht Bilanzfälschung im großen Stil

Olympus gibt Bilanzfälschung zu
Olympus(c) REUTERS (Yuriko Nakao)
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Der japanische Kamera-Hersteller hat Investment-Verluste im großen Stil mit Hilfe von Übernahmen verschleiert. Die Affäre könnte die Existenz von Olympus gefährden.

Der Betrugsskandal bei dem japanischen Kamerahersteller Olympus nimmt dramatische Ausmaße an. Olympus räumte am Dienstag ein, über Jahrzehnte Verluste aus Wertpapier-Geschäften verheimlicht und falsch verbucht zu haben. Dabei könnte es um fast 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) gehen. Experten stellten nun sogar die Zukunft des Konzerns infrage. Dem 1919 gegründeten Unternehmen drohen Klagen wegen Bilanzbetrugs, Analysten halten einen Ausschluss von der Börse in Tokio für denkbar.
"Die Zukunft der Firma ist extrem düster", sagte Analyst Ryosuke Okazaki von ITC Investment Partners. Olympus mit weltweit rund 40.000 Mitarbeiter setzte zuletzt knapp 8 Mrd. Euro um. Olympus-Aktien verloren am Dienstag fast 30 Prozent an Wert, seit Juni sind es 70 Prozent.

Schon vor Tagen hatte Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda eine umfassende Aufklärung gefordert. Er fürchtet um den Ruf der heimischen Wirtschaft. Der Fall ist inzwischen der größte Firmenskandal in dem Land seit einem Jahrzehnt.

"Die früheren Bilanzen waren falsch", sagte der erst seit wenigen Wochen amtierende Olympus-Präsident Shuichi Takayama am Dienstag auf einer Pressekonferenz vor rund 200 Journalisten. Eine interne Prüfungskommission habe aufgedeckt, dass Verluste aus Wertpapiergeschäften als Kosten für Beratungen und Firmenzukäufe maskiert worden seien. Konkret gehe es um ein Beratungshonorar über 687 Millionen Dollar beim Kauf des britischen Rivalen Gyrus im Jahr 2008 und den Zukauf dreier einheimischer Firmen im Volumen von 773 Millionen Dollar. Die Vorfälle gingen bis in die 1980er Jahre zurück. Verantwortlich seien unter anderem der am 26. Oktober zurückgetretene Olympus-Präsident Tsuyoshi Kikukawa und Vize-Präsident Hisashi Mori.

Ausschluss von Börse droht

"Das ist eine sehr ernste Sache für Olympus", sagte der Investmentexperte Okazaki. "Der Konzern hat zugegeben, über falsche Buchungen seine Verluste über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg verschleiert zu haben." Alle in dieser Zeit Verantwortlichen könnten nun dafür belangt werden. "Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass Olympus von der Börse genommen wird." Juristen erklärten, sollte Olympus seine Bilanzen vorsätzlich gefälscht haben, drohten den Managern bis zu zehn Jahren Haft.

Ein Sprecher der Börse Tokio sagte, man benötige weitere Informationen, um zu entscheiden, ob die Aktien unter Beobachtung gestellt würden. Ein solcher Schritt würde der Streichung der Olympus-Aktie vom Kurszettel vorausgehen.

Möglicherweise könnten auch Bilanzprüfer belangt werden. Olympus hatte sich 2009 von seinem weltweit agierenden Prüfer KPMG getrennt. Einem vertraulichen Dokument zufolge, das Reuters einsehen konnte, war der Grund ein Streit darüber, wie die fraglichen Zukäufe verbucht werden können. Kikukawa hatte 2009 erklärt, zum Prüfer Ernst & Young zu wechseln.

Firmenchef kontaktierte Börsenaufsicht

An die Öffentlichkeit kam der Skandal erst vor kurzem, und zunächst sah es nur nach einem Management-Streit aus: Olympus setzte Mitte Oktober seinen erst zwei Wochen im Amt befindlichen Firmenchef Michael Woodford vor die Tür. Zur Begründung hieß es, er verstehe weder den Management-Stil des Unternehmens noch die japanische Kultur. Inzwischen ist aber bekannt, dass der seit 1980 bei Olympus tätige Woodford zuvor die britische Börsenaufsicht kontaktiert und um Prüfung des Berater-Honorars aus der Gyrus-Übernahme 2008 gebeten hatte.

Die damals gezahlten 687 Mio. Dollar stellen fast ein Drittel das Kaufpreises dar. Üblich sind indes maximal zwei Prozent, also nicht mehr als 40 Mio. Dollar. Woodford hat nach eigenen Angaben auch die Zukäufe der drei japanischen Firmen hinterfragt. Olympus stellt neben Kameras und Diktiergeräten auch flexible Endoskope für den medizinischen und industriellen Bereich her.

In der Affäre hat Olympus zudem bereits seit 2008 Kenntnis von Unregelmäßigkeiten auch in seiner Hamburger Europa-Zentrale. Die Staatsanwaltschaft hatte jüngst auf Anfrage mitgeteilt, im März Anklage gegen drei ehemalige Manager von Olympus Europa wegen Untreue erhoben zu haben. Die Manager sollen Rechnungen unterschrieben haben, denen keine Gegenleistungen gegenüber gestanden hätten. Den dadurch entstandenen Schaden beziffert die Ermittlungsbehörde auf 640.000 Euro.

(Ag.)