Niki Lauda verkauft seine Fluglinie ganz an Air Berlin – in Pension geht er nicht.
Das Kapperl ist seit Kurzem wieder rot. Dass die teuerste Kopfbedeckung Österreichs kurzzeitig blau war, hat kaum jemand registriert. Das rote Kapperl und Niki Lauda – seit seinem schweren Unfall am Nürburgring vor 35 Jahren ist diese Kombination weltweit ein Synonym für den Mann, der seit seinem Überlebenskampf und dem spektakulären Comeback nur fünf Wochen nach Verlassen der Intensivstation zur Ikone wurde.
Der Sohn einer Wiener Industriellenfamilie hat aber nicht nur an diesem 1. August 1976 Nervenstärke und unglaubliches Durchhaltevermögen bewiesen. Als er nach zwei Comebacks in der Formel 1 – einmal nach der Feststellung, er habe genug vom „Im-Kreis-Fahren“ – und der ersten finanziellen Bruchlandung mit der Charter-Airline Lauda Air die Fluglinie 1985 neu gründete, ging der Kampf erst richtig los. Diesmal lauerten die Gegner nicht in anderen Boliden, sondern in Oberlaa, dem damaligen Konzernsitz der AUA.
Während Lauda den Absturz der „Mozart“ – das schwärzeste Ereignis in seinem bewegten Leben – mit menschlicher Größe meisterte, verstrickte er sich mit der AUA in einen Machtkampf, den Letztere mit einem Pyrrhussieg für sich entschied. Der Technikfan Lauda verkaufte die Lauda Air samt hoher Schulden an die AUA. Lauda machte dabei noch ein gutes Geschäft.
2003 kam das nächste Comeback: Aus der insolventen Aero Lloyd entstand die Billig-Airline „Niki“, als Partner angelte sich Lauda die Air Berlin. Jetzt gibt der 62-jährige vierfache Vater „Niki“ komplett an die Air Berlin ab – was nicht heißt, dass er in Pension geht. Ruhestand und Lauda – das sind Begriffe, die einfach nicht vereinbar sind. eid
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2011)