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Deutsche Bank rechnet mit hoher Inflation

(c) Dapd (Mario Vedder)
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Analysten der Deutschen Bank erwarten starke Entwertung in Nord-, Deflation in Südeuropa.

Wien/Jil. Die Deutsche Bank (DB) widerspricht in ihrer aktuellen EU-Monitor-Analyse scharf den Inflationserwartungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB geht offiziell davon aus, dass die Inflation sich in einigen Monaten abschwächen wird – betrachtet aber die Teuerungsraten im ganzen Euroraum. Und genau da liegt das Problem, sagt die Deutsche Bank. „Inflation in den Gläubigerländern“ sei derzeit die einzig verbliebene Handlungsoption, sagen die Analysten.

Der Grund: Zu lange hat man strukturelle Unterschiede in der Eurozone ignoriert. Es gibt eine „verborgene Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone“. Dazu kämen etliche Rettungspakete. Und Transfermechanismen, die bisher wenig bekannt seien. So haben die Zentralbanken der Nordländer der Eurozone bereits 630 Mrd. Euro an Forderungen gegenüber der EZB aufgebaut. Geld, das de facto von den Nordländern an die Südländer geflossen ist – Vehikel war „Target2“ das Interbanken-Zahlungssystem der Zentralbanken. Diese Summe ist zu den Transferzahlungen via Rettungsfonds und Anleihenkäufe der EZB noch hinzuzufügen.

 

Rettung bis zur Revolte

Weil die Länder innerhalb des Eurosystems die nominalen Wechselkurse nicht anpassen können, bleiben nur noch wenige Möglichkeiten, die Krise zu bekämpfen, schreibt die DB. VarianteA (Nordeuropa zahlt innerhalb einer Transferunion unbegrenzt an Südeuropa) sowie VarianteB (Südeuropa erlebt eine starke Deflation, also sinkende Preise und Löhne) würden bei der jeweiligen Bevölkerung auf zu viel Widerstand stoßen, meint die DB.

Also bleibe nur VarianteC: Lockere Geldpolitik führt zu Inflation, die in Nordeuropa stärker ausfällt als in Südeuropa. Dieser Weg sei auch wahrscheinlich, weil die Defizitländer im EZB-Rat die Mehrheit besitzen. Die DB warnt aber: Die Bevölkerung der Gläubigerländer könnte revoltieren und der Euro zerbrechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2011)