Banken geben ihren Produkten häufig Namen, die auf den ersten Blick nicht erkennen lassen, ob es sich dabei um Wertpapiere oder Sparprodukte handelt.
Wien. „Ertrag oder Sicherheit?“, das ist die Frage, die man sich als Anleger stellen muss. Ein Mehr an Sicherheit geht meist mit einem Weniger an Rendite einher. Gerade in Österreich, wo konservative Sparformen wie Sparbuch oder Bausparvertrag sehr beliebt sind, wird oftmals eine relativ geringe Rendite für ein Höchstmaß an Sicherheit in Kauf genommen.
Mit ein Grund: Sparguthaben sind im Rahmen der gesetzlich geregelten Einlagensicherung vor einer Bankenpleite geschützt. Die Bedingungen wurden aus Sicht der Sparer attraktiver. Denn seit Anfang 2010 werden 100.000Euro pro Person und Bank besichert. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise sind es nur 20.000Euro gewesen.
Wertpapierprodukte wie Aktien oder Anleihen sind davon ausgenommen, der Anleger trägt das Emittentenrisiko. Im Falle der Pleite des jeweiligen Unternehmens geht der Anleger meist leer aus. Besonders kritisch wird die Unterscheidung bei Wertpapierprodukten, die Banken selbst ausgeben. Die großen heimischen Kreditinstitute werben immer wieder mit Produkten, die auf den ersten Blick wie Sparprodukte aussehen. Dahinter versteckt sich meist eine Anleihe. Der Kunde wird damit Kreditgeber der Bank.
Namen können täuschen
Momentan wirbt die Bawag-P.S.K. in ihrem Internetauftritt für ein Produkt mit dem Namen „Zinsplusgarant“. Es findet sich in der Kategorie „Ansparen und Anlegen“, inmitten von Sparbüchern und Co. Wer anfangs noch von einem Sparprodukt ausgeht, wird enttäuscht, sobald er sich zu den Details durchklickt. Es wird auf das Emittentenrisiko hingewiesen, jedoch nicht dezidiert darauf, dass es sich um ein Wertpapier handelt. Darunter findet sich zumindest ein Verweis auf die „Konditionen für Wertpapiere“.
„Die Presse“ ließ sich in einer Filiale über das Produkt informieren. Die Mitarbeiterin gab nicht mehr Informationen, als von der Homepage bekannt waren. Während des Gesprächs las sie mehrmals von der Webseite ab. Erst auf Nachfrage wurde auf das höhere Risiko durch die fehlende Einlagensicherung hingewiesen. So wie die Bawag-P.S.K. bieten die meisten Banken online eine Übersicht ihrer Produkte an, darunter auch die Bank Austria.
Doch auch hier findet sich ein bunter Mix aus Spar- und Wertpapierprodukten. In der Rubrik „Anlegen“ finden sich inmitten von im Vergleich riskanteren Wertpapierprodukten Festgeldangebote. Letztere werden im Fall einer Pleite der Bank Austria vom Staat bedient. Die Unterschiede im Risiko sind nur am Haftungsausschluss erkennbar, den Banken bei Wertpapierprodukten stets anführen: „Die vorliegenden Informationen stellen keine Anlageberatung oder Anlageempfehlung dar.“ Die Banken schützen sich damit vor eventuellen Forderungen von Kunden, die sich unrichtig beraten fühlen.
Vom potenziellen Anleger ist dabei ein gutes Auge gefragt. Denn die Namen der Produkte können auf eine falsche Fährte locken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Institute – so sie ihre Produkte im Internet auflisten – zwar eine große Auswahl bieten, der Überblick aber schnell verloren gehen kann.
Missverständliche Hinweise
Auf der Homepage der Erste Bank finden sich ebenfalls Spar- und Wertpapierprodukte Seite an Seite. Und darunter ein Hinweis zur Einlagensicherung: „Auch Wertpapiere sind besichert“, steht fettgedruckt dort. Im Text darunter wird dann relativiert: In die Einlagensicherung fallen zum Beispiel Dividendenzahlungen dritter Unternehmen, die von der Bank aus Liquiditätsmangel nicht mehr an den Kunden ausbezahlt werden können. Es wird auch der Wert von Aktien ersetzt, wenn diese von der Bank nach deren Pleite nicht mehr herausgegeben werden. Im Gegenzug werden Kursverluste nie abgedeckt, auch nicht der Zahlungsausfall des Emittenten.
Es gibt jedoch Fälle, in denen Produkte riskanter aussehen, als sie tatsächlich sind. Die Direktbank Easybank, eine Bawag-P.S.K.-Tochter, bietet etwa ein Produkt unter dem Namen „Easy Geldmarkt“ an. Der Name mag zwar auf Wertpapiere hindeuten, tatsächlich handelt es sich jedoch um ein herkömmliches fix verzinstes Sparprodukt, das gemäß der österreichischen Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro besichert ist.
Was Sie beachten sollten bei... Sparprodukten
Tipp 1
Schutz. Die Einlagensicherung schützt Sparer bis zu einem Guthaben von 100.000Euro pro Bank. Neben Sparguthaben werden auch Dividendenzahlungen und Aktien besichert, falls diese im Fall einer Pleite von der Bank nicht mehr ausgehändigt werden. Kursverluste oder der Zahlungsausfall einer Firma werden hingegen nicht abgegolten.
Tipp 2
Risiko. Wertpapierprodukte sind nicht immer von Sparprodukten zu unterscheiden. Wenn von einem Emittentenrisiko die Rede ist oder ein Haftungsausschluss angeführt wird, kann man davon ausgehen, dass es sich um kein klassisches Sparprodukt handelt. Banken sichern sich so gegen Forderungen aus unzureichender Beratung ab.
Tipp 3
Vorsicht. Besondere Aufmerksamkeit ist bei Anleihen geboten, die die Banken selbst ausgeben. Zeichnet man ein solches Wertpapier, wird man zum Kreditgeber der Bank. Die Zinsen sind nicht bloß als „Leihgebühr“ zu verstehen, sie gelten auch das Bonitätsrisiko der Bank ab. Die gesetzliche Einlagensicherung greift hier nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2011)