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Ökonom schreibt Anleitung für den Euro-Austritt

ARCHIV- Das Eurozeichen steht am 7. Dezember 2006 in Frankfurt am Main vor der Europaeischen Zentralb
(c) AP (Michael Probst)
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Eric Dor hat Schritt für Schritt den Austritt aus der Gemeinschaftswährung skizziert. Eines ist klar: Von heute auf morgen geht es nicht.

Wie funktioniert der Austritt eines Mitgliedstaates aus der Eurozone in der Praxis? Der Ökonom Eric Dor von der Katholischen Universität Lille in Frankreich hat in einem Arbeitspapier solch einen komplizierten Exit aus der Gemeinschaftswährung skizziert. Als größten Knackpunkt sieht er die enormen Schulden der lokalen Nationalbank gegenüber den anderen europäischen Nationalbanken und der EZB.

"Die praktischen Schwierigkeiten für einen Euro-Austritt werden von den Befürwortern heruntergespielt", so der Ökonom. Ein Austritt sei kaum "von heute auf morgen" möglich.

Im Schnelldurchlauf würde ein Euro-Austritt folgendermaßen funktionieren: Euro-Banknoten abstempeln und damit entwerten, neue Währung drucken, möglicherweise Konten sperren und Kapitalverkehrskontrollen einführen, um Kapitalflucht zu verhindern; eine Vereinbarung mit den anderen Nationalbanken in der Eurozone abschließen, wie mit den ausstehenden Euro-Schulden umgegangen wird.

Hier die Anleitung im Detail:

  • Die Regierung friert die Euro-Einlagen der inländischen Banken bei der Nationalbank ein. Die Euro-Guthaben von ausländischen Personen werden nicht angetastet.
  • Die eingefrorenen Euro-Einlagen bei der Nationalbank werden 1:1 in die neue Währung umgetauscht. Auch ausständige Euro-Kredite der inländischen Nationalbank an die lokalen Banken werden konvertiert sowie die Bankguthaben der inländischen Kunden.
  • Die Regierung beschließt ein neues Nationalbank-Gesetz. Im Gegensatz zum Statut der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte es dann erlaubt sein, dass die Nationalbank direkt Kredite an die Regierung vergibt oder heimische Staatsanleihen am Primärmarkt aufkauft. Nach einem Austritt aus der Eurozone kann nun auch wieder autonom über den Leitzins entschieden werden.
  • Alle Zahlungen im Inland, unter anderem Kreditraten, Gehälter, Mieten werden 1:1 in die neue Währung konvertiert.
  • Ein Devisenmarkt entsteht, an dem die neue Währung gegen den Euro und andere Währungen gehandelt wird. Die neue Währung wird vermutlich rapide an Wert verlieren.
  • Um einen zu starken Währungsverfall und einen panikartigen "Bank Run" zu verhindern, könnten die lokale Bankkonten vorübergehend gesperrt werden.
  • Die Kapitalflucht von ausländischen Investoren muss verhindern werden. Dazu könnten etwa Steuern auf Kapitalimporte beziehungsweise Kapitalexporte geschaffen werden - oder Mengenrestriktionen oder Meldepflichten für internationalen Kapitalverkehr.
  • Alle inländischen Geschäfte werden von der Regierung verpflichtet die neue Währung anzunehmen. Auch Kreditkarten- und Bankomatzahlungen müssen in der neuen Währung abgewickelt werden.
  • In dem Zeitraum, wo es noch keine neue Banknoten gibt, werden abgestempelte Euro-Banknoten verwendet, auch bei Bankomaten. Eigene Währungsbüros sind für das Entwerten der Euro-Banknoten zuständig. Nachdem die neu geschaffenen Währung in Umlauf gebracht sind, werden die gestempelten Euro-Banknoten nur mehr wenige Tage umgetauscht.
  • Eine Vereinbarung mit den anderen Nationalbanken der Eurozone regelt, wie mit den "gewaltigen Euro-Schulden" der lokalen Nationalbank umgegangen wird. "Dieses Problem repräsentiert große Schwierigkeiten und Unsicherheiten. Das werde jene Länder, die die Eurozone verlassen wollen abschrecken," schreibt der Ökonom.
  • Der Anteil des austretenden Landes an der EZB müsste von anderen Staaten übernommen werden. Dazu bräuchte es nur einen Beschluss der Staats- und Regierungschefs der Eurozone.
  • Die EZB müsste die eingebrachten Währungsreserven der Nationalbank in Gold und Devisen wieder retournieren. Es könnte aber von Vorteil für die lokale Nationalbank sein, die Währungsreserven in Euro weiter zu halten.

(Ag.)