Für manche ist das Elektroauto längst Alltag: Christoph Haase hängt seinen Wagen seit zweieinhalb Jahren an die Steckdose. Sonstiger Betriebsaufwand: Wasser für die Scheibendusche.
Wir kamen zum Tesla, indem der Tesla zu uns kam. Tatsächlich haben wir vor zwei Jahren in der Zeitung ein wenig gemault über das Auto, zugebenermaßen, ohne selbst damit gefahren zu sein. Die Idee, die ultraleichte englische Lotus Elise in Kalifornien mit ein paar tausend Laptop-Akkus auszurüsten und sie danach, 400 Kilogramm schwerer, als Elektroauto zum dreifachen Preis zu verkaufen, schien uns abwegig. Das kam Craig Davis zu Ohren, der damals den frisch eröffneten Tesla-Store in München leitete. Auf seine gewinnende amerikanische Art meinte Craig am Telefon, er würde einfach bei uns vorbeischauen und uns das Auto zeigen. Es war Dezember, und wenn der Winter in der Stadt irgendwo ganz besonders trist sein kann, dann in Wien-Erdberg, dem Sitz der „Presse“.
Craig kam, und sein kalifornisches Strahlen wirkte an diesem trüben Tag, an diesem Ort fast noch exotischer als das Auto, das neben ihm parkte. Kaum einen Meter hoch, rot wie ein Alarmknopf, im Stehen wie gelangweilt wirkend: der Tesla Roadster, das Elektrowunderauto aus dem Silicon Valley. Craig schwang sich auf den Beifahrersitz. „Bitte“, sagte er. Auf den Straßen lag Schnee, jedenfalls in großstädtischer Ausprägung als kackbrauner Matsch. Ich fuhr mit Craig durch die Gassen, versuchte ein Gefühl für das Auto zu bekommen. Auf einem großen leeren Parkplatz in Simmering driftete ich durch den Schnee, irritierenderweise lautlos, so lang, bis es fad wurde. Craig schoss Fotos mit seinem iPhone. In den Akkus verblieb genügend Saft, man musste sich keine Sorgen machen, dass der Mann noch zum nächsten Ziel kommen würde. Was der Zweck der Vorführung war: Auto macht Spaß, auch elektrisch, und man kann brauchbare Strecken zurücklegen. Man fährt bloß nicht zur Tankstelle, sondern lädt es auf wie den Rasierer, vom Technikerlebnis her nichts Außerirdisches.
Craig hinterließ uns zum Abschied den Namen eines Fahrers. Wir wollten mit Menschen reden, die auf mehr als eine Spritztour verweisen konnten. Allzu viele waren das vor zwei Jahren nicht. Es sind auch heute noch nicht sehr viele.
War Christoph Haase vor zwei Jahren einer von acht Tesla-Fahrern im Land, so spricht das Unternehmen heute von mehreren Dutzend, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Bekannt ist aber, wie viele Roadster Tesla Motors seit 2008 weltweit verkauft hat: 1800 Stück. In den Dimensionen des globalen Autogeschäfts eine putzige Zahl: Sie entspricht annährend der Tagesproduktion eines großen Werks. Das Elektroauto in der Massenproduktion – davon ist man heute womöglich noch weiter entfernt als vor zwei Jahren, als Vorhersagen von hoffnungsfroher Fantasie befeuert wurden. Unabhängige Beobachter zeigen sich weitgehend einig, dass das Elektroauto auf absehbare Zeit kaum mehr als ein Wuchtgewicht am Schwungrad der Mobilität darstellen wird. Eine Nische – allerdings mit guten Chancen, eine blühende, innovationstreibende, auch lukrative Nische. Neben dem Match der Etablierten strömen Player aus Disziplinen zu, die bislang nichts mit Autos am Hut hatten.
Wie auch immer es kommt – für Christoph Haase gibt es kein Zurück. „Ein normales Auto fühlt sich nach Steinzeit an.“ Ein Motor, in dem Kolben auf und ab stampfen; Getriebe, Gelenke, Wellen, bis die Kraft zum Rad findet: Das kann es nicht sein für die Zukunft, wie er sie sieht, nicht zu reden vom Treibstoff, der aus tiefen Löchern geholt wird, mit jeder Menge Scherereien hintendrein. Bei einem derart elitären Geschöpf wie dem Silicon-Valley-Roadster, Kaufpreis in Traumwagen-Regionen, hilft es jedoch, erfolgreicher Unternehmer zu sein. Haase hat die Porsche-Phase, zu der die meisten von uns nie kommen, schon hinter sich. Der Chef eines auf Regeltechnik spezialisierten Familienbetriebs, Sitz in Wien-Inzersdorf, fährt seit zweieinhalb Jahren mit dem Elektroauto zur Arbeit, tagaus, tagein. In der Werkstatt war der Tesla noch nie. Die Kapazität der Batterien habe über die Jahre zugenommen, ergab eine Messung. Im nächsten Jahr muss er erstmals zur Pickerl-Überprüfung. Mit den Abgasen wird es wohl keine Probleme geben.
An die Tankstelle fährt Haase für Getränke, „nachschütten tu ich nur Scheibenwischwasser“. In der Firma wurde eine Ladestelle installiert, der Strom kommt vom Dach, von der „meines Wissens größten privaten Solaranlage in Wien“, so Haase. Traurig, findet er: „Wir sind kein so großes Unternehmen.“ Weil der Tesla bis 280 Kilometer mit einer Ladung läuft, war Reichweite noch nie ein Thema. Er ist nie liegen geblieben, es gibt auch sonst keine Abenteuergeschichten aus zweieinhalb Jahren mit dem Stromauto, „alles ganz normal“.
Vom IT-Entrepreneur zum Autohersteller: Die Basis des Autos aus dem Silicon Valley heißt Lotus Elise, statt des Vierzylinders schiebt ein E-Motor an. Und zwar nicht zimperlich. Tesla hat bislang 1800 Roadster verkauft.
Name: Tesla Roadster
Preis: 101.700 Euro
Motor: 375-Volt-Drehstrom
Leistung: 288 PS
Gewicht: 1335 kg
V max: 201 km/h
0–100 km/h: ca. 4,0 Sekunden
Verbrauch: 16 kWh/100km
Reichweite: 280 km
Ladezeit: 3,5 Stunden