Schmied: „Da braucht es einen allgemeinen Aufschrei!“

(c) Michaela Bruckberger
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Kulturministerin Schmied erklärt, was ihr am Kulturbudget wichtig ist. Mehr Geld für Vermittlung und mehr Breitenwirkung. An der unterschiedlich gewichteten Geldzuteilung kann sie vorläufig nichts ändern.

Die Presse: Die Bundestheater müssen binnen fünf Jahren 12,4 Millionen Euro einsparen. Die Führung des Theaters in der Josefstadt droht mit Kündigungen. Ein Problem der Bühnen ist seit Jahren die mangelnde Valorisierung ihrer Subventionen. Beamte bekommen vom Staat ihre Lohnerhöhungen, die Bühnen müssen diese selbst finanzieren. Ist das nicht unfair?

Claudia Schmied: Wir diskutieren dieses Problem im Parlament und in den Ausschüssen. Auch die Museen haben hohe Personalkosten und verlangen eine Valorisierung ihrer Budgets im Ausmaß der jährlichen Lohnsteigerungen. Meine Argumentationslinie ist: Ich kann nicht bei einzelnen Institutionen valorisieren, wenn ich nicht gleichzeitig eine Valorisierung des Kunst- und Kulturbudgets insgesamt durchsetzen kann.

Wie soll das denn weitergehen?

Da braucht es einen allgemeinen gesellschaftlichen Aufschrei. Man kann im Kunst-und Kulturbereich die Kostensteigerungen eine Zeit lang abfedern, wie das auch durch die Ausgliederungen und die Ausnutzung von Sparpotenzialen gelingt, aber mittelfristig, das ist klar, müssen wir um die Valorisierung kämpfen, wenn es nicht zulasten des künstlerischen Programms gehen soll.

Die Grünen kritisieren, dass die Bundestheater-Evaluierung der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young nur auszugsweise veröffentlicht wurde. Was nicht nur den Laien verwirrt: Die Bundestheater-Führung jammert ständig, dass die Subventionen viel zu niedrig seien, tatsächlich gibt es offenbar ein Einsparungspotenzial. Was stimmt denn jetzt?

Wir haben Zusammenfassungen aus dem Prüfbericht veröffentlicht. Detailunterlagen über Gehälter und Gagen veröffentlichen wir im Interesse der Bühnen nicht. Das wäre im internationalen Wettbewerb für die Theater nicht gut. Das Parlament wird Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer in den nächsten Kulturausschuss einladen, damit er erläutert, wie das im Prüfbericht von Ernst & Young konstatierte Optimierungspotenzial realisiert werden soll. Die Holding gibt diesen Maßnahmenkatalog bekannt, der bereits in den Aufsichtsräten diskutiert worden ist.

Was wird jetzt konkret unternommen?

Es geht nicht um Einsparen im Sinne von Kürzen des Budgets. Es geht darum, dass wir gemeinsam daran arbeiten, wie wir es unter den gegebenen Rahmenbedingungen einer Wirtschafts- und Finanzkrise schaffen, möglichst viele Mittel für Kunst und Kultur einzusetzen. Wo können wir die Administration effektiver gestalten – und wie ist es mit den Kartenpreisen und den Einnahmen?

Die Kartenpreise werden also erhöht?

Das wird von den Theatern sicher nicht über einen Kamm geschoren, sondern, ich sage das jetzt als Betriebswirtin, dort, wo der Markt das auch zahlt.

Wie wäre es mit einer Streichung der Bundestheater-Holding? Vielleicht nicht jetzt, aber wenn Georg Springer im Ruhestand ist?

Sicher nicht. Ich habe den Vertrag von Holding-Chef Georg Springer bis Ende 2014 verlängert und ihn mit der Umsetzung der Maßnahmen beauftragt.

Wo gibt es mehr Geld im Kulturbudget 2012?

Wir stellen zwei Millionen Euro mehr für das neue 21er-Haus des Belvedere zur Verfügung. Eine weitere Maßnahme ist, dass das Pathologisch-Anatomische Museum ins Naturhistorische Museum eingegliedert wird. Daher wird die Subvention für das „Naturhistorische“ durch ressortinterne Umschichtungen angepasst.

Das Völkerkunde-Museum hat mit dem Holländer Steven Engelsman einen neuen Direktor bekommen. Wie geht es weiter mit der Einrichtung?

Ich habe glücklicherweise ein Investitionsbudget für die Bundesmuseen und muss niemandem etwas wegnehmen. 10,8 Millionen Euro sind hier jährlich vorgesehen. Ich erwarte, dass der neue Direktor viel Schwung ins Haus bringt. Die nötigen Investitionen werden schrittweise getätigt.

Werden Sie das als Ministerin noch erleben, dass das Völkerkunde-Museum vollendet ist?

Es geht in Etappen. Ich freue mich auf den Plan des neuen Direktors und hoffe, dass ich noch viele interessante Ausstellungen sehe.

Welchen Spielraum haben Sie überhaupt bei der Geldzuteilung? Große Institutionen bekommen den Löwenanteil, was bleibt für kleine, Riskantes?

Das ist eine zentrale Frage, die schon den früheren Bundeskanzler Bruno Kreisky beschäftigt hat. Von der Struktur des Bundesbudgets werden wir so rasch nicht wegkommen. Die großen Positionen des Kulturbudgets sind nun einmal die Bundesmuseen und die Bundestheater. Wir haben zusätzlich Projektförderungen für Künstler und Künstlerinnen. Aber wir müssen sehen, dass laut Bundesverfassung eine große Aufgabe, was die Förderung der zeitgenössischen Kunst betrifft, auch bei den Bundesländern liegt.

Circa 144 Millionen kriegen die Bundestheater, 22 Millionen Euro bekommt der Film, davon 16,5 Millionen Euro das Filminstitut. Ist das nicht eine allzu große Diskrepanz zwischen reproduzierenden und schöpferischen Künsten?

So argumentiere ich nicht. Wir sollten generell geschlossen auftreten und davon Abstand nehmen, die eine Kunstsparte gegen die andere auszuspielen. Das würde den Kunst- und Kulturbereich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung insgesamt stärken.

Was ist für Sie das Wichtigste?

Für mich ist neben stabilen Rahmenbudgets wichtig, dass wir 2012 in Summe 13 Millionen Euro für Vermittlungsprogramme aufwenden. Das beginnt beim freien Eintritt für Jugendliche bis 19 Jahre in die Bundesmuseen, geht über „Macht Schule Theater“ bis hin zu speziellen Vermittlungsprogrammen des Vereins Kulturkontakt z. B. für Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Bundesmuseen. Ich möchte nicht, dass in Studien 70 Prozent der Leute auf die Frage, wo gespart werden soll, sagen, bei Kunst und Kultur. Daher sollen z. B. Künstlerinnen und Künstler an die Schulen kommen, es soll Partnerschaften geben, Kunst soll auch in der EU eine größere Rolle spielen – alle diese Dinge möchte ich intensivieren.

Wo legt die Exbankerin Claudia Schmied in diesen schwierigen Zeiten ihr Geld an?

Sie gibt „leider“ sehr viel aus. Ich reise gern, z. B. nach Mallorca oder nach Paris. In Geldanlagen war ich immer schon, auch früher, am liebsten auf der sicheren Seite: Wenn, dann Bundesanleihen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2011)

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