Die Angst vor den Staatsanleihen

(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)
  • Drucken

Diese Woche hat der Markt um österreichische und italienische Staatspapiere einen Bogen gemacht. Macht das die Anleihen zu einer interessanten Alternative zum Sparbuch. Was Anleger jetzt beachten müssen.

Wien. Österreich hat als Emittent von Anleihen in dieser Woche einiges an Vertrauen verloren. Das äußert sich darin, dass das Land auf dem Kapitalmarkt höhere Zinsen für seine Schulden zahlen muss. Knapp 3,5 Prozent jährlich sind es nun für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit. In den vergangenen Wochen lag dieser Wert um die drei Prozent. Wer dem Staat fünf Jahre lang sein Geld leiht, erhält derzeit 2,5 Prozent, auch einen halben Prozentpunkt mehr als zuletzt.

Macht das die Anleihen zu einer interessanten Alternative zum Sparbuch? Nur bedingt. Denn wer 3,5 Prozent jährlich bekommen will, muss die Anleihe auch bis zum Laufzeitende halten. Wer sie früher verkauft, dem drohen Kursverluste. Der Kurs einer Anleihe sinkt nämlich, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt, also die EZB den Leitzins hebt. Dass dies innerhalb der nächsten zehn Jahre passiert, ist so gut wie sicher.

(c) DiePresse

Die Renditen steigen auch am Stiefel

Verluste drohen auch, sollte Österreich die Bestnote „AAA“ abhandenkommen. Anleger verlieren dann noch mehr Vertrauen in den Staat und verkaufen ihre Anleihen. Die Kurse fallen, Renditen steigen weiter. Binden sollte man sich also nur für kurze Zeit. Doch da sind die Zinsen überschaubar. Sparbücher mit fünf Jahren Laufzeit bringen derzeit bis zu 3,875 Prozent, der Staat zahlt dagegen 2,5 Prozent.

Unter Druck geraten sind diese Woche auch Papiere aus Italien. Anleger, die Italo-Bonds halten, blicken verängstigt nach Athen: Im jüngsten Rettungspaket wurde dort ein 50-prozentiger, „freiwilliger Haircut“ beschlossen. Betroffen sind davon vor allem Banken und Versicherungen. Doch wie sieht es mit Privatanlegern aus? Hier scheint noch Verwirrung zu herrschen. „Wir haben derzeit keine Antwort auf diese Frage“, sagt Alfred Reisenberger von der Wiener Privatbank. „Das muss wohl noch ausgehandelt werden.“ Beim 21-Prozent-Schnitt vom Juli waren Privatanleger noch nicht betroffen. Dieses Angebot war jedoch schneller wieder vom Tisch, als die Anleihen hätten umgetauscht werden können.

Kommt ein italienischer „Haircut“?

Für Italien wird es bei den aktuellen Zinsen jedenfalls extrem teuer, sich auf dem Kapitalmarkt Geld zu leihen. Es besteht die Gefahr, dass es zu einem Teufelskreis kommt und die Anleger immer misstrauischer werden. Ein weiterer Hinweis darauf, dass sich Investoren vor einem Zahlungsausfall fürchten, sei die flache Renditekurve, sagt Valentin Hofstätter von Raiffeisen Research. Diese zeigt, dass die Zinsen für kurz laufende Staatsanleihen derzeit fast genau so hoch sind wie jene für länger laufende Anleihen.

Ein griechisches Schicksal stehe Italien jedoch kaum bevor, beruhigt Hofstätter: „Kein Land kann ein Interesse daran haben, Italien pleitegehen zu lassen. Das würde allen wehtun.“ Die Politiker dürften also alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um eine Pleite abzuwenden. Als Ausweg sieht er die Europäische Zentralbank. Diese habe „nur“ 180 Mrd. Euro an Staatsanleihen im Portfolio. Ihr amerikanisches Pendant, die Fed, habe hingegen schon für 2,4 Bio. Dollar amerikanische Staatsanleihen gekauft. Es sei also eine Frage des Wollens, nicht des Könnens, ob man Italien rettet oder nicht.

Ähnlich sieht das Reisenberger von der Wiener Privatbank. „Ich denke nicht, dass Italien fallen gelassen wird.“ Zwar würden die Europolitiker zu drastischen Maßnahmen greifen müssen. Im Grunde funktioniere die italienische Wirtschaft aber, was Anlass zur Hoffnung gebe. Aus seiner Sicht könne man also durchaus in italienischen Anleihen investiert bleiben.

Andererseits seien Griechenland und Italien zwei verschiedene Paar Schuhe. Eine freiwillige Umschuldung wie in Griechenland wird es in Italien also kaum geben können. Will heißen: Wenn es kracht, dann richtig. So gesehen sind italienische Anleihen durchaus mit einem großen Risiko verbunden. Allerdings gelte dies auch für vermeintlich „sichere Häfen“, so Reisenberger: „Wenn Italien etwas zustößt, bekommen wir das alle zu spüren. Wer sein Geld nach Deutschland bringt, verhält sich so, als würde er in einem brennenden Haus in ein anderes Zimmer flüchten. In Wahrheit müsste er natürlich das Haus verlassen.“ Also raus aus Europa.

Italien-Gläubigern bleiben also zwei Alternativen. Die erste lautet: gelassen bleiben und nicht verkaufen. Dabei ist ein großes Vertrauen in die Politik nötig, denn nur sie wird die Spannung auf den Märkten lösen können. Laut Hofstätter braucht es eine „glaubwürdige Lösung“, wie den hoch verschuldeten Staaten geholfen werden kann. Die zweite Alternative heißt: Staatsanleihen verkaufen und Kursverluste in Kauf nehmen. Bei einem unfreiwilligen, italienischen Haircut käme es nämlich noch schlimmer.

Was Sie beachten sollten bei... österreichischen und italienischen Staatsanleihen

Tipp 1

Österreich. Für eine Laufzeit von zehn Jahren sind die Zinsen bei österreichischen Staatstiteln immer noch vergleichsweise niedrig. Sich so lange zu binden, ist derzeit nicht ratsam. Verkauft man früher, drohen Kursverluste. Bei fünf Jahren Laufzeit zahlt der Staat deutlich weniger, als es bei einem Sparbuch gibt.

Tipp 2

Italien. Dass Italien pleitegeht, halten die befragten Analysten trotz der hohen Zinsen für unwahrscheinlich. Wer genug Vertrauen in die Politik hat, könne also in Italien investiert bleiben. Sollte es zum Schlimmsten kommen, scheint ein „freiwilliger“ Schuldenschnitt wie in Griechenland aber keine Option zu sein.

Tipp 3

Alternativen. Aus Angst vor Italien in deutsche Anleihen zu flüchten, halten Experten für wenig sinnvoll. Die negativen Effekte einer Pleite Italiens würden nicht an den Landesgrenzen haltmachen. Analysten raten, sich bei sicheren Unternehmensanleihen umzusehen. Die bieten mehr Zinsen als deutsche Staatspapiere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.