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Am Angelpunkt der Raumkunst

Rudolf Prohazka, 1947 bis 2011: ein Nachruf.

Er starb vor wenigen Tagen unerwartet auf einer Reise nach Marrakesch: Mit Rudolf Prohazka, Jahrgang 1947, verliert die heimische Szene einen der besten Baukünstler seiner Generation. Ende der 1980er-Jahre – politisch/kulturell auch für Wien Wendezeit – setzen seine ersten Wohnhäuser und die im Team mit dem Mentor Ernst Hiesmayr vorgelegten Wettbewerbsprojekte zum Museumsquartier (1987; 2. Stufe 1990) und für St. Pöltens Regierungsviertel (1989, mit Reinhard Gallister) konzeptionell weittragende Maßstäbe. Gerade die beiden Papier gebliebenen Entwürfe für sogenannte Jahrhundertprojekte werden im kulturellen Gedächtnis des Landes bleiben als geistige Mark- und Ecksteine, an denen die damaligen und vergleichbare künftige urbanistische Entscheidungen zu messen sind.

In Wien hinterlässt er mit dem eleganten Re-Design des IBM-Centers am Donaukanal, mit der Revitalisierung der Aula der Akademie der Wissenschaften, dem formidablen Wohnbau Perfektastraße öffentlich wirksame Proben seines Könnens. Mehrfach ausgezeichnet, stets über Wettbewerbe erarbeitet, bieten seine minuziös ausgefeilten Industrie-, Wohn- und Bürobauten eine formal unglamouröse, räumlich/funktionell hochpotenzielle Botschaft: das Ausreizen des konstruktiv Möglichen im Dienste der Befreiung des Raumes, des Freihaltens der Mitte, der dynamisch erlebbaren, offenen Orte. Eine eigenständige Haltung, jenseits „flotter“ Moden, die ihm zuletzt den Zugang zu größeren Aufträgen erschwerte. ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2011)