Let's make money: Bärenmarkt und Börsengang

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Lets make money Baerenmarkt(c) AP (PETROS GIANNAKOURIS)
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Warum der Bärenmarkt noch lange nicht zu Ende ist und der jüngste Börsengang in Wien in die Kategorie Kuriosum fällt. In Deutschland hat der Düngemittelkonzern K+S gerade ein gutes Zwischenergebnis abgeliefert.

Die Einsetzung einer neuen Regierung in Athen und die Aussicht auf einen Kurswechsel in Italien haben die Märkte gegen Ende der abgelaufenen Woche deutlich beruhigt. Die Erholung in der zweiten Wochenhälfte darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns nach wie vor im „Bärenland“ befinden. Die wichtigen Indizes stehen in etwa dort, wo sie schon Mitte Oktober waren. In der Zwischenzeit haben sie aber irre Ausschläge nach oben und nach unten erlebt.

Als Gradmesser kann man ruhig den auch für österreichische Anleger relevanten deutschen Leitindex Dax nehmen. Der ist in diesem Zeitraum zwischen 5700 und 6400 Punkten geschwankt. Eine Schwankungsbreite, die man für geschickte Kurzzeit-Investments auch dann nutzen kann, wenn man kein Daytrader ist.

Die Trendwende, auf die Langfristanleger so sehnlich warten, ist aber noch nicht da. Zwar werden Analysten schon wieder übermütig und reden von einer beginnenden „Jahresendrallye“, charttechnisch würde die Wende aber erst bei 6400 Dax-Punkten beginnen. Vorher ist das eine Zwischenerholung in einem intakten Abwärtstrend, die jederzeit abbrechen kann. Etwa wenn wieder schlechte Nachrichten von der Schuldenfront kommen.

Wer in dieser Lage trotzdem investieren will, sollte sich auf kurzfristige Engagements mit engen und strikten Trailing Stopps konzentrieren. Die Kursschwankungen sind unterdessen groß genug (bei deutschen Bankwerten können sie schon einmal zehn Prozent und mehr am Tag ausmachen), um da auch als Amateur einiges „mitnehmen“ zu können. Fundamentaldaten spielen jetzt keine Rolle. Es kommt nur darauf an, Papiere mit dem richtigen Schwung zu erwischen. Das sind sehr kurzfristige Entscheidungen, für die man Charttechniken einigermaßen beherrschen sollte.

Für alle, die es eher langfristig lieben, scheint mir der Einstiegszeitpunkt noch zu unsicher zu sein. Die nächste Euro-Katastrophe – und die kommt sicher – wird die Märkte schnell wieder kippen lassen. Und Abstürze, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, erfolgen in dieser Marktsituation sehr schnell und sehr heftig.

Nichtsdestotrotz raten einige Analysten schon wieder dazu, mit dem Aufbau von Positionen zu beginnen. In Österreich hat beispielsweise die Erste Group ihre Kaufempfehlung für Papiere des Autozulieferers Polytec(ISIN AT0000A00XX9) erneuert und das Kursziel geringfügig auf 13,3 Euro erhöht. Das wären fast hundert Prozent Kurspotenzial. Erscheint ein bisschen ambitioniert, ist es wohl auch. Aber die tief gestürzte Aktie hat gerade eine kleine Umkehrformation hingelegt und sieht charttechnisch so aus, als würde sie gerade Schwung holen. Wenn man sich nicht zu viel erwartet und mit Stopps arbeitet, könnte das interessant sein.

In Deutschland hat der Düngemittelkonzern K+S(ISIN DE000KSAG888) gerade ein gutes Zwischenergebnis abgeliefert (allerdings den Ausblick leicht gesenkt). Das Papier hat sich zum Liebling der deutschen Analysten gemausert, was sich aber offenbar noch nicht zu den Anlegern durchgesprochen hat. Denn an der Börse kommt der Düngemittelhersteller nicht recht vom Fleck. Die Kursziele liegen um 50 Prozent über dem derzeitigen Niveau. Wenn die Analysten nicht komplett irren, kann das was werden. Mit dem Einstieg sollte man aber warten, bis das Papier ein bisschen Aufwärtsmomentum zeigt.


Kuriosum. In Wien hat es übrigens, mitten in der Krise, am Freitag mit der Österreichischen Staatsdruckerei(ISIN AT00000OESD0) ein neues Börsenlisting gegeben. Ist das für Anleger interessant? Die Frage ist leicht zu beantworten: Dieser Börsengang fällt unter den Sammelbegriff „Kuriosum“ und passt zum gestrigen Faschingsbeginn (am 11.11. um 11.11 Uhr): Am ersten Tag der Börsennotiz gab es noch überhaupt keinen Kurs, weil es einfach noch keinen „Freefloat“ gibt. Die Alteigentümer (zwei Privatstiftungen) wollen bis zum Jahresende Schritt für Schritt 11.000 Aktien (den Referenzpreis gibt die Börse mit 11 Euro an) auf den Markt werfen. Der „Markt“ ist das Segment „Standard Market Auction“.

Allein Letzteres ist schon Grund genug für den Tipp: Finger weg! Der Standard Market Auction, an dem der Kurs nur einmal am Tag festgelegt wird, ist ein extrem illiquides (und entsprechend manipulationsanfälliges) Marktsegment, an dem Privatanleger absolut nichts verloren haben.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2011)

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