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UniCredit macht 10,6 Mrd. Verlust im dritten Quartal

UniCredit baut tausende Jobs
Reuters (Stringer)
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Wegen hoher Abschreibungen verbucht die Bank-Austria-Mutter UniCredit einen historischen Verlust. In Italien baut die Bank 5200 Stellen ab, die Aktivitäten in Österreich und Osteuropa sollen fortgesetzt werden.

Die italienische Bank Austria Mutter UniCredit verzeichnet wegen riesiger Abschreibungen auf Bankbeteiligungen im dritten Quartal 2011 einen historischen Verlust von 10,64 Milliarden Euro. Nach neun Monaten bis Ende September fiel kumuliert ein Minus von 9,3 Milliarden Euro an. Auf Bankbeteiligungen ("Goodwill") wurden 9,6 Milliarden Euro abgeschrieben.
Die UniCredit-Aktie setzte am Dienstag ihren Kursrutsch fort. Nach dem die Wertpapiere des Bankkonzerns am Montag etwas mehr als sechs Prozent verloren, fallen die Aktien auch am Tag nach der Ergebnisveröffentlichung um weitere neun Prozent. Die Papiere der italienischen Großbank litten weiterhin unter den beschlossenen Maßnahmen - vor allem auch an der angekündigten schwierigen Kapitalaufstockung.

Analysten stimmten daraufhin am Dienstag pessimistische Töne an: Sylvia Benzi von Cheuvreux kritisierte angesichts der Schuldenkrise den ungünstigen Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung und Azzurra Guelfi von der Citigroup bezeichnete das Umsetzungsrisiko als hoch. Beide reduzierten nach den Beschlüssen der Italiener ihre Kursziele.

Auch die österreichische Tochter Bank Austria fährt aufgrund hoher Abschreibungen einen Quartalsverlust von rund 600 Millionen Euro ein. Nach neun Monaten gibt es noch einen Mini-Gewinn von 4,5 Millionen Euro. Eine Kapitalerhöhung sei nicht notwendig, hieß es bei der Bank Austria.

Kapitalerhöhung um 7,5 Mrd. Euro

Ganz anders sieht es bei der UniCredit aus: Im Verwaltungsrat wurde am Montag eine Kapitalerhöhung um 7,5 Milliarden Euro beschlossen. Sie wird am 15. Dezember in einer Sonder-Hauptversammlung auf den Weg gebracht, teilte der Konzern in einer Aussendung mit. Das Geld dafür soll von einem Bankenkonsortium kommen. Hintergrund für die Kapitalerhöhung sind die strengeren Kapitalanforderungen der Europäischen Bankaufsichtsbehörde.

Konzernchef Federico Ghizzoni wolle sicherstellen, dass sein Institut die geforderten neun Prozent Kernkapitalquote bis Juni 2012 erreicht. Die größte Bank Italiens fährt zugleich auch Risiko in großem Stil zurück. Die jetzige Kapitalerhöhung ist die dritte seit dem Jahr 2009.

Jede zehnte Stellen wird gestrichen

Weiters plant die Bank Austria Mutter zwischen September 2011 und 2015 rund 5200 Jobs in Italien einzusparen, heißt es im Strategieplan. Das sind ungefähr zehn Prozent aller Arbeitsplätze in Italien.
Damit soll die Effizienz des Konzerns in Italien gesteigert werden. Im Gesamtzeitraum 2010 bis 2015 wird UniCredit damit sein Personal in Italien um 6500 Mitarbeiter reduzieren. Weltweit beschäftigt der UniCredit-Konzern mehr als 160.000 Leute.

Auch die deutsche UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) hat den Abbau von knapp 1.000 Stellen bestätigt. Vorstandschef Theodor Weimer sagte am Dienstag in einer Telefonkonferenz, über 600 würden dabei auf zentrale Stabsstellen, 370 auf das Investmentbanking entfallen.

Die rund 1.000 Vollzeitkräfte müssten bis 2015 abgebaut werden. Die Maßnahmen sind Teil radikaler Einsparungen bei der HVB-Mutter UniCredit aus Italien, die bereits die Streichung Tausender Stellen angekündigt hatte.

In vier Jahren will der Konzern durch Sparmaßnahmen wieder einen Gewinn von 6,5 Milliarden Euro zu erzielen.

Ghizzoni: Bleiben in Österreich

UniCredit-Chef Federico Ghizzoni hat eine Redimensionierung und ein "Redesign" der UniCredit-Aktivitäten vor allem in Italien und im Investmentbanking angekündigt. Das Projekt, das man sich vorgenommen habe, sei sehr ambitioniert. UniCredit wolle auch weiterhin unter den europäischen Top-Banken in Europa bleiben. "Das ist nicht einfach", so Ghizzoni, aber das sei die "Vision" und kein "Katastrophen-Szenario". Ziel sei es, die Komplexität der Gruppe zu reduzieren, sagte Ghizzoni bei einer Telefonkonferenz am Montagnachmittag.

Die Aktivitäten in Osteuropa und den europäischen Ländern mit "AAA"-Rating wie Österreich und Deutschland würden fortgesetzt. Das kommerzielle Bankgeschäft solle gestärkt werden, dazu sollen die Kapital- und Liquiditätspositionen erhöht werden. Die operative Effizienz solle erhöht werden, sagte Ghizzoni.

 

(APA)